New Yorker Modewoche: Edelsteine im Ohr, Perlen im Gesicht

Analyse15. September 2015, 15:22
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Höhepunkt der ersten Tage: Performance-Künstlerin Marina Abramović gestaltet die Modeschau von Givenchy

Die Wochen, die sich Modeinteressierte auf der ganzen Welt rot im Kalender anzeichnen, haben begonnen – die Fashion Weeks. Traditionell starten sie mit jener in New York (bis 17. September). Zum ersten Mal findet die New York Fashion Week in Downtown statt. Dabei herrscht ein straffer Zeitplan – über 300 Kollektionen werden präsentiert. Hier die Höhepunkte der ersten Tage:


Moderne Rüstungen bei Givenchy

foto: reuters/lucas jackson, apa/epa/peter folley
Givenchy, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Riccardo Tisci präsentierte seine neue Frühjahrskollektion für Givenchy gemeinsam mit der Performance-Künstlerin Marina Abramović, die als Co-Creative Director der Show tätig war. Kein Zufall, denn für Tiscis Anliegen, den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zustand der Welt darzustellen, brauchte er einen Partner, der es liebt, bis an die (eigenen) Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Gemeinsam inszenierten sie die Modenschau als Kunstperformance. Zarte Spitzentops wurden mit geschlechtsneutralen Hosen kombiniert, Gesichter bis zur Unkenntlichkeit mit Symbolen der Dekadenz beklebt, und steife Jacken mit Nietenkapuzen wirkten wie Rüstungen. Eine Kollektion in Schwarz und Weiß.


Victoria Beckham macht sich locker

foto: ap/richard
Victoria Beckham, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Auch für Frühjahr/Sommer 2016 liefert Victoria Beckham was ihre Fans von ihrer Mode erwarten und an ihr lieben: reduzierten Minimalismus, schmale Silhouetten, akkurate Schnitte. Doch alles eben eine Spur entspannter. Es scheint, als möchte Beckham von Kollektion zu Kollektion mutiger wirken. In der gerade präsentierten vereinte sie Gegensätze: fließende, seidige Röcke wurden zu Wildleder kombiniert, die elegante Anmutung ihrer reinweißen Kleider mit Karoprint durchbrochen und 1990er-inspirierte-Spaghettitops aus Leder mit knöchellangen Culottes getragen. Und noch etwas war anders: Beckham verzichtete diesmal auf ihre geliebten High-Heels.


Jason Wu: Das Comeback der Rüschen

foto: ap/richard drew,
Jason Wu, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Schwere Zeiten für Hosen-Trägerinnen: Jason Wu präsentierte in seiner Frühjahrs-Kollektion hauptsächlich Kleider und Röcke – selbst Trenchcoats werden bei dem in New York lebenden Designer unten ohne getragen. Er schichtet transparente Stoffe übereinander und setzt dem glänzendes Leder gegenüber. Volants und Rüschen dominierten die Looks.


Alexander Wang: Kind der Neunziger

foto: ap / jason decrow, reuters / john taggart,
Alexander Wang, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Mit seiner neuen Frühjahrskollektion feierte Alexander Wang sein zehnjähriges Jubiläum mit seiner eigenen Marke, bevor er demnächst seine letzte Kollektion für Balenciaga präsentieren wird. Wang schaute noch einmal zurück – und zeigt in seiner Jubiläumskollektion Looks, die ihn wohl schon vor der großen Modekarriere geprägt haben dürften: Stonewashed-Denim, Schnürdetails an Lederhosen und bauchfreie Spaghettitops: Die Neunziger sind zurück. Im Publikum mit dabei: Lady Gaga.


Die wilden Siebziger bei Derek Lam

foto: apa,epa/jason szenes
Derek Lam, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Zugeknöpft: abgesteppte Hemden waren bei Derek Lam das Key-Piece und wurden unter Pullis, Overalls und Kleidern getragen. Ein bisschen 70ies (Wildleder, Schnürdetails), etwas Bohemian (Fransen, All-OverPrints) und viel Materialmix (Strick, Leder, Spitze ...). Auffallend die A-Linie, die sich durch die Silhouetten zog: Trompetenärmel, ausgestellte Rocke, immer wadenlang und überlange Maxikleider.


Tommy Hilfiger: Hippies auf Jamaika

foto: ap/richard drew
Tommy Hilfiger, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Tommy Hilfiger zeigte seine neue Kollektion in gelb, grün, rot – den Farben des Reggae. Inspiration kam Hilfiger also nicht nur von modischen Stilelementen der Dekade der 1970er, die er wieder aufgegriffen hat – sondern von einer kompletten Lebensphilosophie. Blumen, Blockstreifen, Mesh und Stickereien. Zu fließenden Kleidern und Hosen wurden glänzende Kurz-Blousons und – natürlich – Jeansjacken kombiniert.


Wes Gordon meets Silhouette: Schulterfrei ist das neue bauchfrei

foto: silhouette
Wes Gordon & Silhouette, Frühjahr/Sommer 2016, New York Fashion Week

Wes Gordon präsentierte auf der New York Fashion Week seine fünfte Kollektion – gemeinsam mit der österreichischen Brillenmanufaktur Silhouette. Cut-Outs betonen die Schultern, Transparenzen durchbrechen das Konservative der A-Linie, die sich durch die Silhouetten zieht. Die fließenden Materialien in Weiß, Grau und Pastellgelb sind der notwendige Gegenpol zu den unruhig wirkenden Schnitten der Kollektion.
(Katharina Triltsch, 15.9.2015)

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