Wifo: Energiesparen bringt tausende Jobs

14. September 2015, 07:17
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1,5 Milliarden Euro Investment im Jahr ergäbe drei Milliarden Euro mehr Wertschöpfung ab 2020

Wien – Die für die Klima- und Energiemodellregionen in Österreich geplanten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz werden nicht nur der Umwelt viel bringen, sondern auch der Volkswirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Wifo-Studie. Die Investitionen würden ab 2020 jährlich das Doppelte an Wertschöpfungszuwachs bringen, zudem ließen sich ab dann im Jahr bis zu 4,5 Mio. Tonnen CO2 einsparen.

Der Fokus in den – bundesweit mehr als hundert – Klima- und Energiemodellregionen (KEM) mit knapp 2,5 Millionen Bewohnern liegt auf den Bereichen Gebäude und Mobilität sowie Strom und Fernwärme. Werden bis 2020 jährlich 1,5 Mrd. Euro an Investitionen getätigt (ambitioniertes Szenario), ließen sich ab dem Zeitpunkt für – die gesamte Lebensdauer der jeweiligen Maßnahmen – jährlich drei Mrd. Euro mehr an Wertschöpfung erzielen (+1,2 Prozent), im konservativen Modell bei 600 Mio. Investment wären es 1,2 Mrd. mehr (+0,5 Prozent).

Zusätzliche Arbeitsplätze

Die Investments würden in den KEM-Regionen circa 16.000 zusätzliche Arbeitsplätze im konservativen Szenario und sogar bis zu 40.000 Beschäftigte im ambitionierten bringen, ein außertourlicher Zuwachs von 0,4 bis 0,9 Prozent.

An CO2-Einsparung könnten es diese Regionen ab dem Jahr 2020 auf jährlich 2,5 bis 4,5 Mio. t bringen. Dies sei vergleichbar mit dem jährlichen Treibhausgas-Ausstoß von ganz Vorarlberg (1,9 Mio. t CO2-Äquivalente 2013) oder Kärnten (4,5 Mio. t), erklärt dazu der Klima- und Energiefonds (KliEn), der seit 2009 den Auf- und Ausbau der KEM-Regionen unterstützt.

Mit den geplanten Maßnahmen bei Wohngebäuden und Verkehr könnten je nach Szenario zwischen neun Petajoule (rund 2.500 GWh) und 27 PJ (circa 7.500 GWh) an Endenergie eingespart werden, hat die Wifo-Studie ergeben. "Im ambitionierten Szenario mit 27 PJ könnte also so viel Energie eingespart werden, wie das bestehende AKW Mochovce jährlich erzeugt", vergleicht der KliEn.

Maßnahmen

Im Zentrum der zahlreichen KEM-Maßnahmen stehen thermische Sanierung, Heizungstausch, die Forcierung Erneuerbarer Energieträger sowie Spritsparen, der Umstieg auf E-Mobilität, öffentliche Verkehrsmittel sowie der Ausbau des nichtmotorisierten Individualverkehrs. Das Förderprogramm "Klima- und Energiemodellregionen" will vor allem über Verhaltensänderungen einen Beitrag zur Umgestaltung des Energiesystems leisten.

Besonders großes Energie-Einsparpotenzial wird bei der thermischen Sanierung geortet, hier könnte laut Studie die Endenergieeinsparung bis 2020 – verglichen mit 2010 – bei 12 Prozent (konservativ) bis 26 Prozent (ambitioniert) liegen, bei der Elektrizitäts-Einsparung in Gebäuden bei 6 bis 15 Prozent. Eine Senkung der Fahrleistung im Verkehr (durch Fahrgemeinschaften und Wegeketten) brächte demgegenüber 1,6 bis 9 Prozent Einsparung, ein Ausbau der Öffis 1,6 bis 4,5 Prozent, Spritsparen 1,3 bis 2,5 Prozent und ein Umstieg auf E-Mobilität 3,6 bis 6,0 Prozent.

Fahrgemeinschaften

Allerdings: "Die in den Szenarien angenommenen hohen Einsparungen im Verkehrssektor setzen tiefgreifende Verhaltensänderungen voraus", wird in der Wifo-Studie betont. "Insbesondere die Bildung von Fahrgemeinschaften würde einen deutlich veränderten Zugang zu Mobilität erfordern. Der Umstieg vom Pkw auf den ÖV setzt zudem eine hohe Attraktivität des Angebots im öffentlichen Verkehr voraus, das möglicherweise von den KEMs nur marginal beeinflusst werden kann." Im Bereich der Energiebereitstellung werde der Einsatz von Erneuerbaren Energieträgern in der Bereitstellung von Elektrizität und Fernwärme bis 2020 im konservativen Szenario um 14 PJ erhöht, der Zuwachs im ambitionierten Szenario beträgt demzufolge 21 PJ.

Wien ist nicht unter den KEM-Regionen vertreten, die anderen Bundesländer zum Teil. Ende 2014 gab es österreichweit 112 KEM-Regionen, in denen 2,6 Mio. Menschen lebten (31,2 Prozent der Bevölkerung). Dabei gehörten in NÖ 57,4 Prozent der Bevölkerung einer solchen Region an, gefolgt von OÖ mit 44,8 Prozent; die niedrigsten Anteile wiesen Vorarlberg (14,4 Prozent) und Salzburg (25,6 Prozent) auf. Anfang 2015 hat sich die Zahl der KEMs auf 104 reduziert, da acht Regionen aus dem Programm ausgeschieden sind. (APA, 14.11.2015)

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