Taliban befreien hunderte Häftlinge in Afghanistan

14. September 2015, 15:03
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Während die Gewalt in Afghanistan eskaliert, machen sich immer mehr auf den Weg nach Europa

Kabul/Berlin – Erst sprengte ein Selbstmordkommando im Schutze der Nacht das Haupttor in die Luft, dann stürmten schwerbewaffnete Militante das Gebäude: Bei einem spektakulären und offenbar generalstabsmäßig geplanten Angriff auf ein Gefängnis am Rande der östlichen Provinzhauptstadt Ghazni haben die Taliban in der Nacht zum Montag über 352 Gefangene, darunter 150 ihrer Kämpfer, befreit. Unter den Geflohenen könnten hochrangige Taliban sein, hieß es auch offiziell.

Bei mehrstündigen Feuergefechten wurden laut Behörden drei Taliban und vier Polizisten getötet. Nach Angaben des Vizegouverneurs hatten die Extremisten zuvor die Straße zum Gefängnis mit Sprengsätzen vermint, sodass Verstärkung nicht rechtzeitig eintraf. Die Angreifer trugen demnach Uniformen.

Bereits 2008 konnten Taliban 900 Häftlinge aus einem Gefängnis in Kandahar befreien, 2011 schleusten sie ebendort 500 Gefangene über einen Tunnel aus einem Hochsicherheitsgefängnis.

Umkämpfte Regionen

Die Taliban feierten den Angriff als Erfolg. Seit die Nato Ende 2014 die meisten Soldaten abzog, kämpfen die Islamisten mit Sicherheitskräften um die Kontrolle. Kaum noch eine Gegend gilt als sicher. Auch Ghazni ist umkämpft, die Zahl der zivilen Todesopfer steigt.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani hofft auf Friedensgespräche. Im Juli hatten sich Vertreter von Afghanistans Regierung und der Taliban in Pakistan zu ersten Gesprächen getroffen. Doch nachdem offiziell bekannt wurde, dass Talibanchef Mullah Omar bereits seit Jahren tot ist, sagten die Taliban eine zweite Runde ab. Stattdessen startete eine neue Gewaltwelle. Während die Aussicht auf Frieden schwindet, verlieren viele Menschen die Hoffnung. Unter den Flüchtlingen in Europa stellen Afghanen bereits die zweit- oder drittgrößte Gruppe.

Afghanische Flüchtlinge

Zudem bangen auch viele Flüchtlinge, die bisher in Pakistan oder dem Iran lebten, um ihr Bleiberecht. Allein in Pakistan leben 1,7 bis 2,7 Millionen Afghanen; der Iran soll fast einer Million Afghanen Asyl gewähren. Beide Länder wollen die Flüchtlinge nach und nach in ihre Heimat zurückschicken. Laut pakistanischen Behörden laufen die Meldepässe von 1,5 Millionen registrierten Flüchtlingen am 31. Dezember aus.

Angeblich will Islamabad die Pässe nicht verlängern. Damit müssten hunderttausende Afghanen Pakistan verlassen. Vor allem junge Männer verlassen bereits jetzt in Scharen das Land. (Christine Möllhoff, 14.9.2015)

  • Nach dem Angriff auf das Gefängnis in der afghanischen Provinzhauptstadt Ghazni. Die Sicherheitslage im Land wird von Woche zu Woche prekärer.
    foto: epa/haqjoo

    Nach dem Angriff auf das Gefängnis in der afghanischen Provinzhauptstadt Ghazni. Die Sicherheitslage im Land wird von Woche zu Woche prekärer.

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