Venezolanische Vibes in Venedig

Kopf des Tages14. September 2015, 07:22
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Lorenzo Vigas gewinnt den Goldenen Löwen für seinen Film "Desde allá"

Die Vergabe des Goldenen Löwen am Samstagabend bescherte auch dem ältesten Filmfestival der Welt ein Debüt. Erstmals in der Geschichte von Venedig holte ein Film aus Venezuela die wichtigste Trophäe. Lorenzo Vigas, der Regisseur von Desde allá (From Afar), widmete seine Auszeichnung bei der Gala auch prompt seinem Mutterland: "Wir hatten einige Probleme, aber wir blicken positiv in die Zukunft. Wir sind ein großartiges Land und werden in Zukunft bestimmt mehr miteinander sprechen."

Mit dem 1967 geborenen Vigas tritt ein praktisch Unbekannter in die Ruhmeshallen des prestigeträchtigen Festivals ein. Desde allá ist das Langfilmdebüt des Venezolaners, das von zwei Männern aus unterschiedlichen sozialen Schichten erzählt, die sich auf eine in mehrfacher Hinsicht schiefe Beziehung einlassen. Der Film kommt gleichwohl nicht aus dem Irgendwo, sondern weist geballte lateinamerikanische Kompetenz auf: Vorlage und Drehbuch stammen vom Mexikaner Guillermo Arriaga, der viel mit Birdman-Regisseur Alejandro González Iñárritu zusammengearbeitet hat; Hauptdarsteller Alfredo Castro ist durch seine Filme mit Pablo Larraín weit über seine Heimat Chile hinaus bekannt.

Vigas, der ursprünglich Molekularbiologie studierte, um sich anschließend einem Filmstudium an der New York University zu widmen, fiel bisher nur mit seinem Kurzfilm Elephants Never Forget auf, der in Cannes präsentiert wurde. Gemeinsam mit Desde allá und dem noch zu drehenden The Box soll er zu einer Trilogie reifen, in der es um abwesende Väter geht. Davor hat Vigas an der dokumentarischen TV-Serie Expedición mitgewirkt sowie Werbungen gedreht.

Was sein Handwerk anbelangt, bezeichnet sich der Regisseur als Perfektionist: "Ich verwende besonders viel Zeit auf Schauplätze und den Cast." Als Regievorbilder nennt er nicht nur Bruno Dumont und Nuri Bilge Ceylan, sondern auch Michael Haneke. Bezeichnenderweise alles Europäer mit rigidem Erzählstil.

Vigas stammt aus einem künstlerischen Elternhaus. Sein Vater ist der international bekannte Maler Oswaldo Vigas, dessen Einfluss Lorenzo nicht genau bestimmen will: "Ich hatte seine Gemälde jedenfalls meine ganze Kindheit lang ständig vor Augen." Ein schönes Detail: Der Vater hatte Venezuela schon 1954 auf der Kunstbiennale von Venedig vertreten. Jetzt hat es ihm der Sohn gleichgetan. (Dominik Kamalzadeh, 14.9.2015)

  • Gewinner des Goldenen Löwen: Lorenzo Vigas.
    foto: ap / andrew medichini

    Gewinner des Goldenen Löwen: Lorenzo Vigas.

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