Almkanal: Salzburgs fast 900 Jahre alte WC-Spülung

14. September 2015, 08:44
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Im 12. Jahrhundert wurde der Almkanal unter dem Mönchsberg gebaut. Nicht nur zur Wasserversorgung, sondern auch, um Exkremente wegzuspülen

Salzburg – Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Regenjacken und Stirnlampen, trifft sich die Gruppe am Schleusenhäuschen in der Brunnhausgasse in Salzburg-Nonntal. Ein Mitarbeiter der Wasserwerksgenossenschaft Stiftsarm führt die Besucher zum Eingang des unterirdischen Teils des Salzburger Almkanals. Über eine Leiter steigt einer nach dem andern in den Graben des Stiftsalmstollens unter dem Festungsberg, dem ältesten Wasserleitungsstollen Mitteleuropas. Seit mehr als 870 Jahren ist er zur Wasserversorgung der Stadt Salzburg da.

Wo ansonsten 880 Liter Wasser pro Sekunde durchströmen, fließt nur ein kleines Rinnsal. Es ist Anfang September und somit die Zeit der Almabkehr. Traditionell wird die Einlaufschleuse zur Königsseeache geschlossen und der Almkanal von Sand, Schotter und Unrat geräumt. Die Mitarbeiter der Wassergenossenschaft führen in den drei Wochen Reparaturen durch und leiten Besucher durch den rund 400 Meter langen Stollen unter dem Mönchsberg.

Ein Meter breiter Stollen

Beim Einstieg in den etwa einen Meter breiten und zwischen 1,4 und 2,2 Meter hohen, in den Berg getriebenen Stollen wird es dunkel. Die Gruppe schaltet ihre Stirn- und Taschenlampen ein und geht langsam durch das höhlenartige Stollensystem. Es ist kühl. Einzelne Wassertropfen fallen von den Stalaktiten. "Kopf einziehen", gibt jeder seinem Hintermann zu verstehen.

Früher versorgte der Almkanal große Teile der Salzburger Altstadt mit Trinkwasser vom Untersberg. Einmal pro Woche wurde das Wasser auch genutzt, um Teile der Stadt zu fluten. Dreck und Exkremente wurden so von der Getreidegasse in die Salzach gespült, um das Ausbrechen von Seuchen zu verhindern.

Heute ist die Alm Energieerzeuger. 14 Turbinen, darunter die des ältesten Wasserkraftwerks Salzburgs, des Eichetwerks, die Pulvermühle der Stieglbrauerei und das städtische Notstromaggregat werden mit Almwasser versorgt, die Jahreserzeugung beträgt 8,5 Gigawattstunden. Gleichzeitig dient das Wasser der Alm als Kühl- und Klimaanlage, etwa für das Festspielhaus oder das Bier des Augustinerbräus.

Bodenbelag vom Friedhof

Der Boden des Stollens ist mit alten Marmorplatten ausgelegt. Auf einzelnen Platten sind Inschriften zu erkennen, es soll sich um Grabsteine des aufgelassenen Domfriedhofs handeln.

Derzeit wird ein geologisches Gutachten über das Konglomerat oberhalb des Stollens erstellt. Denn der Baustollen für den Ausbau der Mönchsberggarage soll acht Meter über dem Kanal verlaufen. Das Gutachten soll klären, ob er durch die Arbeiten einsturzgefährdet ist.

Plötzlich wird es wieder hell. Die Gruppe ist im Untergrund neben der Talstation der Festungsbahn angelangt. Auch die Festungsbahn wurde bis 1959 als Wasserballastbahn mit dem Wasser des Almkanals betrieben, was ihr den Beinamen "Tröpferlbahn" einbrachte. Nun führen nur noch wenige Stufen nach oben, bis man wieder Tageslicht erblickt. (Stefanie Ruep, 14.9.2015)

  • Zwischen 1,4 und 2,2 Meter ist der Wasserstollen unter dem Mönchsberg hoch, nur einmal im Jahr ist er besuchbar.
    foto: christian klotz

    Zwischen 1,4 und 2,2 Meter ist der Wasserstollen unter dem Mönchsberg hoch, nur einmal im Jahr ist er besuchbar.

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