Kalifornien macht Weg für Sterbehilfe frei

13. September 2015, 13:54
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Senat verabschiedete Gesetz, das Ärzten erlaubt, das Leben todkranker Patienten zu beenden

Sacramento – Die Befürworter der aktiven Sterbehilfe in den USA haben einen wichtigen Sieg errungen. Der Senat des Bundesstaates Kalifornien verabschiedete am Freitag (Ortszeit) ein Gesetz, das es Ärzten erlaubt, das Leben todkranker Patienten zu beenden. Zwei Ärzte müssen bestätigen, dass der Kranke nurmehr höchstens sechs Monate zu leben hat.

Brittany Maynard hat den Erfolg ihrer Bewegung für ein würdevolles Sterben nicht mehr erlebt. Die an einem Gehirntumor erkrankte Kalifornierin starb Ende 2014 im Alter von 29 Jahren. Sie schied selbstbestimmt aus dem Leben, indem sie nach reiflicher Überlegung eine tödliche Medizin einnahm.

Dafür hatte die junge Frau zuvor nach Oregon umziehen müssen, das als erster US-Bundesstaat überhaupt die Beihilfe zum Suizid durch Ärzte erlaubt hat. In einer ergreifenden Videobotschaft warb Maynard zu Lebzeiten für eine Liberalisierung der strengen Gesetze auch in ihrer Heimat Kalifornien.

"Ich wünsche mir, dass jeder unheilbar kranke Amerikaner die Wahl haben kann, so in Würde zu sterben, wie er es selbst will", erklärte Maynard in einem Aufruf. Ihr Schicksal fand weltweit Beachtung.

Bundesweite Beachtung

Der Senat von Kalifornien verabschiedete am Freitag ein Gesetz, das es Ärzten im bevölkerungsreichsten Bundesstaat erlaubt, todkranke Menschen beim Suizid zu unterstützen. Die Beihilfe bedeutet, dass der Patient auf seinen Wunsch hin ein Mittel zur Selbsttötung erhält. Neben Oregon ist Medizinern noch in drei anderen dünn besiedelten US-Staaten Sterbehilfe erlaubt: in Washington, Montana und Vermont. Doch jetzt bekommt das Thema bundesweit Gewicht, denn Kalifornien hat seit jeher den Ruf, Schrittmacher bei sozialpolitischen Veränderungen zu sein.

Das Gesetz in Kalifornien knüpft die Möglichkeit auf Sterbehilfe an strenge Bedingungen. So muss der Todkranke seinen Wunsch mindestens zwei Mal im Abstand von 15 Tagen im Vier-Augen-Gespräch mit seinem Arzt äußern. Außerdem ist eine schriftliche Bitte des Patienten um Sterbehilfe nötig, verfasst in Gegenwart von zwei Zeugen. Zwei Mediziner müssen zudem unabhängig voneinander bestätigen, dass der Kranke nur noch höchstens sechs Monate zu leben hat.

Vor allem die Kirche übt scharfe Kritik am neuen Gesetz in Kalifornien. Dort hat der demokratische Gouverneur Jerry Brown das letzte Wort. Brown ist selbst Katholik. In seiner Jugend hatte er zeitweise in einem Jesuitenseminar studiert und Priester werden wollen. Brown bleiben nun knapp zwei Wochen Zeit, um das Gesetz mit seinem Veto noch zu stoppen – oder es in Kraft treten zu lassen. Er hält seine Haltung bisher geheim. Der Konflikt zwischen konservativen Christen und der "Sterben-mit-Würde"-Bewegung bekommt durch den Besuch von Papst Franziskus Ende September in den USA noch zusätzlich Aufmerksamkeit.

Die Frage nach einem selbstbestimmten Sterben hat sich in jüngster Vergangenheit, sicher auch durch den Einsatz Brittany Maynards, zu einem gesellschaftlichen Thema entwickelt. Die selbstbewusst auftretende Frau ließ viele Amerikaner ganz neu über die schwierigen Themen Suizid und Sterbehilfe nachdenken. (APA, 13.9.2015)

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