Mindestens 107 Tote bei Sturz von Kran auf Große Moschee von Mekka

12. September 2015, 08:23
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Mehr als 230 weitere Personen sind verletzt

Riad – Wenige Tage vor der weltweit größten muslimischen Pilgerfahrt sind bei einem Unglück im saudi-arabischen Mekka mindestens 107 Menschen ums Leben gekommen. Laut einer vorläufigen amtlichen Opferbilanz vom Samstag wurden zudem 238 Menschen verletzt, als am Freitag, dem Gebetstag der Muslime, ein Baukran auf die Große Moschee der Millionenstadt stürzte.

Im Internet kursierende Fotos zeigten blutüberströmte Menschen in einem Hof der Moschee. Ein Sprecher der beiden heiligen Moscheen in Mekka und Medina, Ahmed bin Mohammed al-Mansuri, sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur SPA, der Kran sei bei heftigem Wind und starken Regenfällen umgekippt.

Um die Große Moschee herum stehen derzeit mehrere Baukräne. Sie sind Teil eines riesigen Bauprojekts zur Erweiterung des Moscheebereichs um 400.000 Quadratmeter. Dadurch sollen dort gleichzeitig bis zu 2,2 Millionen Menschen Platz finden. Der Gouverneur der Region Mekka, Prinz Chaled al-Faisal, ordnete eine Untersuchung des Unglücks an.

Die Kaaba, ein würfelartiges Gebäude mit einem schwarzen Stein im Innenhof der Großen Moschee in Mekka, ist das wichtigste Heiligtum im Islam und das Ziel von Millionen Pilgern während ihrer rituellen Reise, der Hadsch auf den Spuren des Propheten Mohammed. Die diesjährigen mehrtägigen Zeremonien sollen am 21. oder 22. September beginnen.

Die Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, ist angehalten, mindestens einmal im Leben an der Pilgerfahrt teilnehmen.

Brücke milderte Aufprall

Der Augenzeuge Abdel Asis Nakur, der am Freitag in der Moschee arbeitete und den Umsturz des Krans beobachtete, sagte, das Unglück hätte noch viel schlimmer ausgehen können: Eine Brücke in dem Gebäudekomplex habe den Aufprall abgemildert, sonst wären sehr viel mehr Menschen ums Leben gekommen. In einem YouTube-Video waren kurz nach einem lautstarken krachenden Geräusch schreiende und in Panik weglaufende Menschen sowie eine riesige Rauchwolke zu sehen.

Wie die Nachrichtenagentur SPA meldete, halten sich bereits um die 800.000 Pilger in Saudi-Arabien auf. Im vergangenen Jahr waren mehr als 70.000 Sicherheitskräfte des Königreichs im Einsatz, um einen möglichst reibungslosen Ablauf des Großereignisses zu gewährleisten.

Ein Behördenvertreter sagte, die Hadsch werde trotz des Unglücks wie geplant stattfinden. Der beschädigte Gebäudeteil werde voraussichtlich in wenigen Tagen repariert sein. Aktivisten riefen unterdessen über den Internet-Mitteilungsdienst Twitter zu Blutspenden auf. Der Mitgründer der Stiftung zur Erforschung des islamischen Erbes mit Sitz in Mekka, Irfan al-Alawi, warf den saudi-arabischen Behörden Fahrlässigkeit vor. "Sie kümmern sich weder um das Erbe, noch um Gesundheit und Sicherheit", sagte er.

Der indische Regierungschef Narendra Modi, dessen Land dutzende Millionen Muslime zählt, drückte den Angehörigen der Opfer über Twitter sein Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten rasche Genesung. Ähnlich äußerte sich der britische Premierminister Cameron.

Massenpanik im Jänner bei "Steinigung des Teufels"

Bei einer Massenpanik während des Hadsch in Mina östlich von Mekka waren im Jänner 364 Menschen ums Leben gekommen. Die Panik brach auf einer Brücke aus, als sich dort zehntausende Gläubige an der symbolischen Steinigung des Teufels beteiligten. Im Juli 1990 starben in Mina 1.426 Pilger während einer Massenpanik in einem Tunnel. Vermutlich war dort die Lüftungsanlage ausgefallen. (APA, 12.9.2015)

  • Ein Bild der Al-Haram-Moschee in Mekka vom Juli dieses Jahres.
    foto: reuters/ali al qarni

    Ein Bild der Al-Haram-Moschee in Mekka vom Juli dieses Jahres.

  • Laut Augenzeugen habe eine Brücke in dem betroffenen Gebäudekomplex den Aufprall abgemildert, sonst wären sehr viel mehr Menschen ums Leben gekommen.
    foto: ap

    Laut Augenzeugen habe eine Brücke in dem betroffenen Gebäudekomplex den Aufprall abgemildert, sonst wären sehr viel mehr Menschen ums Leben gekommen.

  • Ein Bild der Unfallstelle.
    foto: ap

    Ein Bild der Unfallstelle.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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