Studie: Lichtstark gegen Migräne

11. September 2015, 18:34
12 Postings

Während einer Migräneattacke leiden 80 Prozent der Patienten unter Überempfindlichkeit gegenüber Licht. In einer Studie soll nun geprüft werden, ob Lichtvermeidung sinnvoll ist

Wien – Der aktuellen "Global Burden of Disease Study" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist Migräne unter mehr als 300 Erkrankungen weltweit die dritthäufigste und liegt bei der krankheitsbedingten Belastung an sechster Stelle. In Österreich sind bis zu einer Million Menschen betroffen. Während einer Attacke leiden 80 Prozent der Patienten unter Überempfindlichkeit gegenüber Licht, zwischen den Attacken sind es 20 Prozent.

Was gesunden Menschen unverständlich erscheinen mag, bestimmt bei Patientinnen und Patienten mit Migräne oft den Alltag: An einem strahlend schönen Frühlingstag hat Brigitte K. die Vorhänge zugezogen und sich zu Bett begeben. Ein trüber Tag im November und Alfred L. trägt bei seinem Besuch in der tageslichtlosen Kopfschmerzambulanz am Wiener AKH eine dunkle Sonnenbrille. Fluchtartig verlässt Jennifer G. das Konzert, auf das sie sich so lange gefreut hat, weil sie die Lichteffekte auf der Bühne nicht erträgt.

Ist strikte Vermeidung sinnvoll?

Ein Forscherteam der MedUni Wien, geht nun der Frage nach, wie Migränepatienten am besten mit Lichtempfindlichkeit umgehen. Lichtreize zu vermeiden ist die übliche Strategie bei einer Migräneattacke, wie auch eine gängige ärztliche Empfehlung. Doch ist das tatsächlich der bestmögliche Umgang?

Mediziner bezweifeln zunehmend die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme, weil möglicherweise das Risiko besteht, dass strikte Vermeidung das Problem verschlimmern kann. Stört zunächst nur Sonnenschein, kann Vermeidung dazu führen, dass schon normale Beleuchtung oder im schlimmsten Fall selbst gedämpftes Licht nicht mehr toleriert wird.

Lichttraining

Roland Beisteiner, Experte auf dem Gebiet der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) und die Kopfschmerzforscher Christian Wöber sowie Stefan Seidel wollen nun durch in einer Studie herausfinden, ob etwa bei der migränebedingten Überempfindlichkeit gegenüber Licht durch ein "Flackerlicht-Training" gegengesteuert werden kann.

Vergleichbare Strategien werden bei anderen Erkrankungen seit Jahren erfolgreich eingesetzt. So wird Personen, die wegen Platzangst Lift oder U-Bahn meiden, nicht empfohlen zu Fuß zu gehen, sondern sie erhalten ein Training zur Benützung dieser Fortbewegungsmittel. Menschen mit Heuschnupfen werden die Allergie auslösenden Allergene verabreicht, um sie gegen Pollen resistent zu machen. Vielleicht kann also auch Licht bei Migränekopfschmerzen hilfreich sein. (red, 11.9.2015)

Teilnahme an der Studie:

Migränepatienten und gesunde Menschen, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich unter folgender E-Mail-Adresse anmelden: stefan.seidel@medunwien.ac.at

Nach Abschluss aller Untersuchungen erhalten die Probanden eine Aufwandsentschädigung. Migränebetroffenen bietet die Studie zudem die Chance, den eigenen Umgang mit Lichtempfindlichkeit zu verbessern.

Weiterlesen:

Probiotikum könnte Migräne-Attacken verringern

Schmerz: Eine Frage der Balance

Kopfschmerzen im Bauch

Migräne: Großer Schmerz in kleinen Köpfen

  • In Österreich leiden zwischen 800.000 und einer Million Menschen an Migränekopfschmerzen.
    foto: derstandard.at/türk

    In Österreich leiden zwischen 800.000 und einer Million Menschen an Migränekopfschmerzen.

Share if you care.