"Kurier" akzeptiert Rüge des Presserats nicht

11. September 2015, 17:48
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Kralinger: "Wirklichkeitsfremd" – Presserat soll sich um Wichtigeres kümmern

Wien – Der "Kurier" hat den Tadel des Presserats wegen unzureichender Kennzeichnung von Werbungzurückgewiesen. Thomas Kralinger, Geschäftsführer der Zeitung, kritisierte den Presserat in einer ungewöhnlich scharf formulierten Aussendung im Gegenzug als realitätsfern bzw. "wirklichkeitsfremd".

Man könne die redaktionelle Aufbereitung von "aktuellen Marktinformationen" nicht mit der "Arbeitsweise eines Journalisten etwa bei politischer oder wirtschaftlicher Information" vergleichen, schrieb Kralinger. Er kann die Argumentation des Presserats nicht nachvollziehen bzw. bezeichnet sie als "falsch". Denn der Rat selbst habe sowohl festgestellt, dass für die beanstandeten Artikel nicht bezahlt worden sei, als auch, dass es eine "unterscheidbare Kennzeichnung der Artikel" gegeben habe.

Offenbar seien dem Presserat die Texte einfach nur zu freundlich erschienen, so Kralinger sinngemäß: "Man könnte die Ausführungen des Presserats auch so interpretieren, dass Berichte über neue Produkte von Unternehmen zwingend eine negativ-kritische Grundausrichtung haben müssen, um überhaupt so von Journalisten im Senat als 'adäquate Berichterstattung' zugelassen zu werden." Das aber sei mitnichten die Haltung des "Kurier", daher "widerspricht in diesem Fall der Standpunkt des hochgeschätzten Presserats der Realität im Jahr 2015 und unserem Verständnis von Information über Marktneuheiten".

Der Presserat möge daher seine "Maßstäbe und die Beurteilung von angeblich 'zu freundlicher Produktberichterstattung' generell überdenken" und sich außerdem um "aktuell wesentlich wichtigere Themen" kümmern, erklärte Kralinger abschließend. Er war bis 2012 Präsident des Presserats und ist überdies Präsident des VÖZ und damit einer maßgeblichen Trägerorganisation des Presserats. (APA, 11.9.2015)

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