Ermittlerbericht: Wer vom Beratersystem der Hypo profitierte

11. September 2015, 17:40
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Ein Ermittlerbericht zeigt, wer vom Beratersystem in der Hypo profitierte: von Verwandten von Bankchefs bis zu Beschäftigten in Honorarkonsulaten

Wien – Berater und Beraterhonorare spielen in der Aufarbeitung der Causa Hypo Alpe Adria seit jeher eine große Rolle – diese Woche hat das Thema auch den parlamentarischen U-Ausschuss beschäftigt.

So wurde, zum Beispiel, erörtert, dass Josef Kircher nach seinem Ausscheiden aus dem Hypo-International-Vorstand (HBInt) sein monatliches Gehalt von 28.000 Euro von Februar 2008 bis Mai 2009 weiter bekommen hat. Kircher erklärte dazu, er habe sich dafür mit einigen Mitarbeitern um 71 Problemkredite gekümmert. Und: Für den Verkauf der Hühnerfarm Puris kassierte er 240.000 Euro.

Kellerakten

Aus einem Bericht der Soko Hypo aus dem Jahr 2010 geht Näheres zum Konsulentensystem in der Hypo hervor. Der Bericht beschäftigt sich mit Verträgen von Beratern, die bis 2009 aktiv waren – bzw. bezahlt wurden. Denn, was die Leute taten, lässt sich nicht immer sagen, in vielen Verträgen war nur der Standardpassus angeführt: "Der Konsulent verfügt über besondere Fachkenntnisse ..." Genaue Aufzeichnungen wurden laut Soko nicht geführt, Ordner mit den Verträgen wurden im Keller der Hypo Leasing Österreich "in einem verschlossenen Kasten" gefunden.

Häufig wurden Konsulentenverträge von der Hypo Consultants Österreich (HCA) vergeben. In der Consultants-Gruppe landeten kaputte Kredite in Form von Beteiligungen. Die Österreicher gaben etwa dem Chef einer kroatischen Niederlassung zusätzlich zu seinem Gehalt ein Konsulentenhonorar von 8100 Euro (im Jahr). Der Chef der italienischen Consultants kassierte 5200 Euro extra; wofür, konnten die Kriminalisten nicht eruieren.

Family-Business

Auch mit einem Verwandten von Ex-Vizebankchef Günter Striedinger wurde ein Beratervertrag geschlossen, er bekam demnach von Ende 2001 bis Ende 2003 rund 4500 Euro im Monat. Er sollte diverse Hotelprojekte betreuen. Das fand die Soko insofern bemerkenswert, als der "Unternehmensberater" für die Abwicklung diverser Hypo-Projekte sowieso bezahlt wurde. Insgesamt seien 2003 und 2004 fast 13.000 Euro über die HBInt verbucht worden. Die Soko Hypo vermutet hinter dem Konsulentenvertrag "mit großer Wahrscheinlichkeit eine illegale Auszahlung (verdeckte Vermögensausschüttung)". Dieser HCA-Konsulent war, in besseren Zeiten, auch Verwalter von Wolfgang Kulterers Kärntner Gutshof.

Und er war in die Gründung von zwei Aktiengesellschaften involviert, die bei der inkriminierten Kapitalerhöhung über Vorzugsaktien (2004) eine wichtige Rolle gespielt haben.

Alte Tradition

In besagtem Aktenschrank fanden die Ermittler aber auch ältere Unterlagen, die belegen, dass das System Extravergütungen eine lange Tradition hatte. Im Bericht der Soko finden sich Unterlagen zu Beraterverträgen ab 1994; Auftraggeberin war in diesem Fall die Kärntner Hypo Leasing.

Sie zahlte zwischen 1998 und 2003 allein dem Chef der kroatischen Leasingtochter "insgesamt zumindest" rund 190.000 Euro an Konsulentenhonorar – 60.000 Euro "Prämien" gar nicht eingerechnet. Rechnungen hat der kroatische Manager übrigens nicht vorgelegt, bezahlt wurde trotzdem. Übrigens auch an eine Mitarbeiterin eines österreichischen Honorarkonsulats in Kroatien – für die "Nachbetreuung" alter Cross-Border-Leasingfinanzierungen. Die Kärntner Leasing-Gesellschaft zeigte sich ihr und dem Honorarkonsul gegenüber überhaupt spendabel: Sie übernahm Flug- und Mietautokosten – Telefonkosten der Mitarbeiterin wurden dagegen von der kroatischen Hypo-Leasing getragen.

Schmiergeld-Verdacht

Natürlich hat auch die österreichische Hypo International Berater gebraucht. Laut Soko-Bericht gab sie von 2003 bis 2009 rund 1,4 Mio. Euro für Konsulenten "großteils aus Kroatien, Bosnien und Serbien" aus. Allerdings waren auch sie Angestellte vor Ort, "der Nutzen für die HBInt ... ist nicht nachvollziehbar". Die Ermittler schreiben von "Gefälligkeitszahlungen" und: Mehrere Honorarempfänger stünden auf dem Balkan im Verdacht, "beim Erwerb von Grundstücken Korruptionszahlungen und kriminelle Handlungen gesetzt zu haben".

Ermittlungen wegen Untreue laufen, und auch die Finanz prüft. (Renate Graber, 11.9.2015)

  • Im parlamentarischen Hypo-U-Ausschuss sind rund 740.000 Dokumente gelandet, ausgedruckt wären das 5,5 Millionen A4-Seiten. Diese Woche wurden im Ausschuss Beraterverträge erörtert.
    foto: matthias cremer

    Im parlamentarischen Hypo-U-Ausschuss sind rund 740.000 Dokumente gelandet, ausgedruckt wären das 5,5 Millionen A4-Seiten. Diese Woche wurden im Ausschuss Beraterverträge erörtert.

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