"Die schönen Tage von Aranjuez": Das Spiel vom Fragen nach den Beziehungen

11. September 2015, 18:00
posten

Ute Liepold inszeniert in Pörtschach Handkes "Die schönen Tage von Aranjuez"

Pörtschach – Die zeitgenössische Bühnenliteratur nährt den Eindruck, unser Sexualleben wäre ausschließlich bestialisch. Das ist der Zeitgeist. Dem hat sich Peter Handke in Die schönen Tage von Aranjuez sicher nicht gebeugt. Ob Frauen authentisch empfinden, was er als Mann da seine weibliche Bühnenfigur über ihre erotische Biografie sagen lässt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Allein der Titel erinnert gefährlich an Stille Tage in Clichy, obwohl er von Schiller stammt.

Im Hotel Miralago in Pörtschach hat Regisseurin Ute Liepold das Ganze auf die Probe gestellt. Im Park der Villa (bei Regen im Zelt) unterziehen sich Julia Schranz (stark) als Frau und Daniel Doujenis als Mann an einem Gartentisch einem merkwürdigen Exerzitium: Die Frau versucht, sich den Ablauf ihrer Beziehungen in Erinnerung zu rufen, mithilfe von Fragen des Mannes. Der Mann ist oft meilenweit entfernt von dem schön-traurigen Lebensfilm, der in ihr abläuft.

Vielleicht meinte Handke mit dem Fragesteller sich selbst. Dann sind schon Liepolds Entscheidung für eine Wörtherseevilla als Spielort und das verfehlt elegante Outfit (Kostüm: Michaela Haag) mit schuldig, dass man manchmal ziemlich störend an Roy Black denkt. So kasinogerecht darf keiner gekleidet sein, der zwischendurch glaubhaft bedauern soll, dass ein ganzes Urlaubsparadies zum Spielsalon verkommt. Außer er hat gerade verloren. (Michael Cerha, 11.9.2015)

Bis 19. 8.

  • Handkes Frau und Mann: Julia Schranz und Daniel Doujenis.
    foto: gerhard maurer

    Handkes Frau und Mann: Julia Schranz und Daniel Doujenis.

Share if you care.