Die Alte

Kolumne13. September 2015, 08:00
72 Postings

Der diskrete Charme der Aristokratie: Die Alte hat dem Grafen Scherereien eingebrockt

Noblesse oblige. Diese Woche hat Graf Mensdorff-Pouilly im Tetron-Prozess zwei Gründe für seine enden wollende Popularität bei der Telekom Austria zu Protokoll gegeben: erstens seinen Beruf, Waffenlobbyist, zweitens den Umstand, dass seine "Alte", Maria Rauch-Kallat, in der Politik gewesen sei. Sehr nobel formuliert.

Nein, das war jetzt Ironie. Denn wenn man seine angetraute Lebenspartnerin stilistisch neutral apostrophieren will, spricht man von "meiner Frau", in gehobenerer Ausdrucksweise von "meiner Gattin" oder "meiner Gemahlin".

"Meine Alte" hingegen hat einen entschieden hemdsärmeligen Touch, der bei formellen Anlässen und auf hochgestellte Persönlichkeiten bezogen deplatziert wirkt. Äußerte etwa ein ORF-Nachrichtensprecher den Satz: "Der Bundeskanzler und seine Alte sind auf Staatsbesuch in Ägypten", so stieße dies zu Recht auf Befremden.

Besser passt die Alte – das Österreichische Wörterbuch verleiht dem Wort das Prädikat "umgangsprachlich salopp" – in volkstümliche Dauerbrenner wie den legendären Hit "Geh Alte, schau mi ned so teppert an, heut bin i blau, was liegt schon dran". Ein bisschen neugierig hat uns Graf Lobbys Auftritt vor Gericht jedenfalls darauf gemacht, in welchem Tonfall man sich in seinem schmucken Luisinger Schlösschen sonst unterhält. Wahrscheinlich fallen da Sätze wie "Geh Alte, lass a Hülsn Bier herwoxn, aber Jennifer" oder "No a so an Oaschprozess, und i hob des Gschissene auswendig". Aristokratisch nobel halt. (win, 12.9.2015)

  • Artikelbild
    foto: toppress austria
Share if you care.