No-Gos bei der Jobsuche im Netz

1. Dezember 2015, 05:30
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Elektronisch ausgespürt werden ist das neue Bewerben – mit alten Tugenden lässt sich trotzdem punkten

Ordentliches Anschreiben, stimmiger Lebenslauf, eine übersichtliche Bewerbungsmappe oder Lebenslauf hochladen: Alles bald Relikte von vorgestern, glaubt man den vielen Start-ups, App-Erzeugern und vernetzten Plattformen rund um Suchen und Finden in der Arbeitswelt. Künftig wird demnach nur mehr gecrawlt, was gefunden werden soll.

Responses bestimmen die Nachrichtenlage zur Jobwelt mobil. Wer also keine brauchbare elektronische Spur hat, die zu gesuchten Profilen passt, an dem geht der Algorithmus vorbei, der wird nicht gefunden. Wo doch das neue Bewerben demnächst "werde gefunden" heißt. Bis es ganz so weit ist, formieren sich aber noch die reinen Jobplattformen zu vernetzten Service- und Bewertungsportalen – ganz passiv für Suchende ist's also noch nicht. Die Digitalisierung des Personalwesens ist noch im Gange – noch sind auch Videobewerbungen nicht State of the Art in Österreich.

Alte und neue Tugenden

Bis es so weit ist, sind auch noch eine Menge "konservativer" Personalchefs am Ruder, die auf Form, Rechtschreibung und Korrektheit der eingesandten Unterlagen (oder der ausgefüllten Vorlagen auf ihren Websites) schauen. Und wenn die Studien (von The Ladders) stimmen, dass Recruiter durchschnittlich 6,2 Sekunden für ein Curriculum verwenden, bevor es ein- oder aussortiert wird, dann ist es noch wert, darauf Mühe zu verwenden, gut und schnell ins Auge zu stechen.

Hilft aber alles nichts, wenn der Check im Netz als "leider nein" ausfällt. Umfragen zufolge googeln so gut wie alle ihre Bewerber. Wenn eingereichter Lebenslauf und Inhalte im Netz nicht deckungsgleich sind, darf das als klares No-Go gelten. Dass ein echter Schnitzer wie Sebastian Kurz' "Geilomobil" zum Karriereturbo und positiven Aufmerksamkeitsgenerator wird, ist auch eher unwahrscheinlich.

foto: istock

Besonders schädlich im Online-Auftritt:

1. Über den ehemaligen Arbeitgeber lästern.

2. Peinliche Facebook-Posts und -Fotos auf "öffentlich" stellen.

3. Lächerliche Videos posten oder selbst drehen und online stellen.

4. Bewerbungen von unseriösen E-Mail-Accounts absenden: "hotchick.com" und "wunderknabe.at" sind im Business-Mail-Verkehr keine Door-Opener.

5. Eigene Websites oder Blogs mit zweifelhaften Inhalten ins Netz stellen.

6. Bei Postings mit Klarnamen unvorsichtig und unbedacht losschreiben.

7. Offenherzig gegenüber Party-Fotografen sein, die auf Events lustige Schnappschüsse machen möchten.

Zum Problem können gelegentlich auch unangenehm auffallende Namensvettern werden. Um Verwechslungen zu vermeiden, ist es daher ratsam, den Lebenslauf mit einem aktuellen Foto auszustatten. "Wer sich im Bewerbungsprozess befindet, sollte auch seine Profile auf Xing und Linkedin gut pflegen.

Um keine Verwirrung zu stiften, unbedingt auf übereinstimmende Informationen achten und mit privaten Inhalten sparsam umgehen", rät Markus Inzinger vom Online-Berater Otago. Er rät auch zur eigenen (einfachen) Website etwa via Wordpress. Die Chance, damit in der Suchmaschine mit dem eigenen Namen weit oben gereiht zu werden, sei ja hoch.

Wichtig für den guten Ruf im Netz:

1. Googeln Sie sich regelmäßig selbst oder nutzen Sie einen Dienst wie Google Alert, um neue Einträge zu Ihrem Namen zu überwachen.

2. Achten Sie auf Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken. Ihr Facebook-Profil sollte so eingestellt sein, dass nur bestätigte Kontakte Ihre Einträge und Bilder sehen können.

3. Beobachten Sie Namensvetter im Netz und grenzen Sie sich gegebenenfalls stärker ab. So besteht keine Verwechslungsgefahr zwischen Ihnen und Ihrem Namensvetter.

4. Veröffentlichen Sie aktiv Inhalte zu den Themen, mit denen Sie in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht werden möchten.

5. Löschen Sie Ihre Profile in sozialen Netzwerken, die Sie nicht aktiv nutzen. Dann werden Sie nicht mit der Plattform in Verbindung gebracht und laufen darüber hinaus nicht Gefahr, mit einem veralteten Profil im Netz vertreten zu sein. (Karin Bauer, 1.12.2015)

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