Sardana klagt Flughafen Wien auf 150 Millionen Euro

10. September 2015, 17:43
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Der frühere Airport-Shopbetreiber fühlt sich ethnisch diskriminiert und klagt in New York auf Schadenersatz

Wien – Der ehemalige Shopbetreiber am Wiener Flughafen, Rakesh Sardana, hat die Flughafen Wien AG (VIE) in New York auf 168 Millionen Dollar (rund 150 Millionen Euro) Schadenersatz geklagt. Sardana und vier seiner Gesellschaften gingen Mitte 2012 pleite (Schulden: 60 Millionen Euro).

Der Vorwurf Sardanas: Die Flughafengesellschaft habe ihn wirtschaftlich ruinieren wollen und das durch die Verbreitung "falscher Geschichten über Sardana und seine Geschäftspraktiken" auch erreicht. Sardana sei auch wegen seiner indischen Herkunft diskriminiert worden. Basis sei der "Masterplan" gewesen, den Lobbyist Peter Hochegger gegen "den Inder" umgesetzt habe.

Verlust von Millionen

Zur Erinnerung: Im Juni 2012 hat der Flughafen seine Verträge mit Sardana wegen Mietrückständen gekündigt und Konkursanträge gestellt. Der Kaufmann führte die Insolvenz damals schon auf eine "langjährige Kampagne" gegen ihn zurück. Die habe unter Ex-Flughafen-Chef Herbert Kaufmann und dessen Mitarbeiter Julian Jäger (heute im Vorstand) begonnen und bis 2011 gedauert. Die Genannten wiesen das zurück.

Die Folgen der "Kampagne" hätten nicht nur die Geschäftsaktivitäten Sardanas in Wien vernichtet, sondern auch jene am New Yorker Flughafen JFK, wo Sardana 18 Geschäfte betreibt und expandieren wollte. So habe Sardana zig Millionen und seine internationalen Expansionsmöglichkeiten verloren, heißt es in der 28-seitigen Klagsschrift, die am Mittwoch beim Supreme Court of the State of New York eingebracht und ins Internet gestellt wurde. Zitiert wird darin auch ein verstorbener Flughafenmanager. Der habe zu Hochegger gemeint, man werde "den Inder nur mit einem Plastiksackerl und einem One-Way-Ticket nach Indien zurückschicken".

Flughafen weist Forderungen zurück

Eine "Schmutzkampagne" existierte laut Hochegger wirklich, das gestand der Exlobbyist Sardana am 14. September 2013. (Und er hat sich dafür entschuldigt.) Drei Tage später hat Hochegger das laut Klage auch vor dem Vizekonsul der US-Botschaft in Wien, Mark A. Brand, unter Eid ausgesagt. 2003/2004 sei seine Gesellschaft "von der Flughafen Wien AG (...) mit dem Projekt einer Schmutzkampagne beauftragt worden (...), den Ruf Sardanas und seiner New Yorker Niederlassung zu zerstören". Eingebunden gewesen sei auch die Wiener Anwaltskanzlei Lansky, die bei der Kampagne in New York helfen sollte.

Ebenfalls am 17. September 2013 hat laut Klage auch ein früherer VIE-Manager unter Eid ausgesagt, dass "Sardana in Management-Meetings und in der 'VIE-Unternehmenskultur' wegen seiner Herkunft mit abwertenden Begriffen" bedacht worden sei.

Die Reaktion der Flughafen Wien AG: Man weise "sowohl alle von Herrn Sardana erhobenen Forderungen wie auch Anschuldigungen als völlig absurd und in jeder Weise unbegründet zurück". Die Kanzlei Lansky war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (Renate Graber, 10.9.2015)

  • Rakesh Sardana hat am Flughafen Wien einige Shops betrieben und ist vor drei Jahren pleitegegangen.
    foto: apa/fohringer

    Rakesh Sardana hat am Flughafen Wien einige Shops betrieben und ist vor drei Jahren pleitegegangen.

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