Hypo: Absturz trotz Hausverstands und Detektiven

10. September 2015, 18:22
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Am Donnerstag kamen die Exkontrollore Veit Schalle und Othmar Ederer zu Wort. Für den ehemaligen BZÖ-Abgeordneten Schalle war viel "normal"

Wien – Im parlamentarischen Hypo-U-Ausschuss waren am Donnerstag zwei ehemalige Aufsichtsratsmitglieder geladen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Was allerdings beide eint: Sie untersagten den Kameraleuten den üblichen "Schwenk durch den Saal" und den Fotografen Aufnahmen, die üblicherweise vor Beginn der Befragungen gemacht werden dürfen.

Auskunftsperson Nummer eins war der heutige Pensionist Veit Schalle, ehedem Billa- und Rewe-Vorstandschef sowie Nationalratsabgeordneter des BZÖ. Auskunftsperson Nummer zwei war der aktuelle Vorstandsvorsitzende des steirischen Versicherungskonzerns Grawe Othmar Ederer. Die Grawe war von 1992 bis zur Verstaatlichung Ende 2009 an der Kärntner Hypo beteiligt. Ederer ist in der Causa Sonderdividende einer der vielen Beschuldigten (die Grawe ist gemäß Verbandsverantwortlichkeitsgesetz auch einer), es gilt die Unschuldsvermutung.

Der gebürtige Kärntner Veit Schalle brachte die Abgeordneten mit seinen Antworten des Öfteren an den Rand ihrer Geduld – so richtig festlegen wollte sich der Exmanager nämlich selten. Nachdem nach einiger Zeit einmal geklärt war, dass Schalle schon 2005 (und nicht, wie er glaubte, 2006) ins Kontrollgremium der Bank eingezogen war ("Jörg Haider hat mich gefragt"), versuchten die Fragesteller sich ein Bild von Schalles Eindrücken zu machen.

Bilanzfälschung relativiert

Welches das größte Problem der Bank gewesen sei, wollten sie beispielsweise wissen – und neben dem Eigenkapital (genauer: dem Mangel an selbigem) ortete Schalle dieses in den Swapverlusten. Die waren ja 2004 angefallen, der Wirtschaftsprüfer fand sie 2006 – und Schalle glaubt heute noch, dass die Art der Bilanzierung (man wollte den Verlust auf zehn Jahre aufteilen) "ein gangbarer Weg gewesen wäre. Darüber wird heute noch diskutiert." Was er außer Acht und unerwähnt ließ: Hypo-Chef Wolfgang Kulterer und sein Vize Günter Striedinger wurden in dem Zusammenhang wegen Bilanzfälschung verurteilt.

Allerdings empfand der 72-Jährige vieles als "normal", sein Verhältnis zu Striedinger etwa, oder das zu Ederer, der die übrigen Hypo-Kontrollore erst ein Jahr nach seiner eigenen Information über die Swapverluste verständigt hatte. Allerdings "haben wir Ederer schon gesagt, dass das unfair ist", erklärte er auf die entsprechende Frage des Team-Stronach-Abgeordneten Robert Lugar.

"Relativ guter Hausverstand"

Auch die immer kaputter werdenden Kredite, auf die ihn Grünen-Mandatar Werner Kogler ansprach, deutete Schalle nicht als Alarmzeichen. "Zwei oder drei Problemkinder" habe es schon gegeben, räumte er ein, aber man sei 2006 oder 2007 sowieso "auf die Bremse gestiegen". Damals seien Landeshauptmann Haider die Landeshaftungen zu hoch geworden, und auch bei den Kreditvergaben habe man "gebremst". Wann das beschlossen wurde oder wie sich das manifestiert hat, das konnte Schalle aber nicht sagen.

Fakt ist, dass die Landeshaftungen auf bis zu 24 Milliarden Euro stiegen (bei einem Landesbudget von zwei Milliarden Euro) und die Bilanzsumme der Hypo auf 43 Milliarden Euro. Was SPÖ-Abgeordneten Jan Krainer zu der rhetorischen Frage bewog, ob es "sein kann, dass da jemand Brems- mit Gaspedal verwechselt" habe.

Thematisiert wurde auch die Qualifikationsfrage von Aufsichtsratsmitgliedern. Schalle erklärte sinngemäß, 2005 seien die neuen Kontrollore vom Vorstand zwei Tage lang geschult worden. "Und", so der einstige Billa-Konzernmanager, "ich habe einen relativ guten Hausverstand."

Bei der Einvernahme Ederers stand gleich zu Beginn die Frage nach "steuerneutralen Zahlungen", die Zeuge Josef Kircher am Vortag rund um Ederer und "Abschlagzahlungen" für Problemfälle aufs Tapet gebracht hatte.

"Verdeckte Ermittlungen"

Ederer sagte, er kenne solche Zahlungen nicht, die von Kircher genannten 100.000 Euro erklärte er so: Kulterer habe ihn Ende 2004 gebeten, an einer Aufklärung mitzuwirken, der Banker habe verdeckte Ermittlungen anstellen wollen. Ein Mitarbeiter mit "detektivischen Fähigkeiten" sei beschäftigt worden. Die Kosten seien bei 97.000 Euro gelegen. (Renate Graber, 10.9.2015)

  • Roter Teppich für die Akten: Jeden Morgen vor Beginn der U-Ausschuss-Sitzung werden die Dokumente angeliefert, aus denen sich der Hypo-Alpe-Adria-Skandal ablesen lässt.
    foto: apa/gruber

    Roter Teppich für die Akten: Jeden Morgen vor Beginn der U-Ausschuss-Sitzung werden die Dokumente angeliefert, aus denen sich der Hypo-Alpe-Adria-Skandal ablesen lässt.

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