Mikroben in isolierter Bucht erinnern an Erde vor über zwei Milliarden Jahren

19. September 2015, 11:58
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Forscher fanden am zentralafrikanischen Kiwusee eine wahre "Zeitmaschine"

Vor über 2,3 Milliarden Jahren sahen die Umweltbedingungen auf der Erde noch deutlich anders aus als heute. Die Atmosphäre hatte noch einen viel niedrigeren Sauerstoffgehalt, dafür enthielten die Urmeere große Mengen an gelöstem Eisen: eine potenzielle Energiequelle für Mikroorganismen.

1993 wurden Bakterien entdeckt, die sich diese Energiequelle durch sogenannte Photoferrotrophie zunutze machen. Anders als bei der bekannten Photosynthese wird dabei das Sonnenlicht genutzt, um Eisen zu oxidieren. Das Eisen wird aus dem Wasser gelöst und lagert sich in mineralischen Verbindungen auf dem Meeresboden ab. In der Frühzeit der Erde dürften solche Organismen weit verbreitet gewesen sein – und als Nebenprodukt ihrer Stoffwechseltätigkeit einige der größten Erzlagerstätten der Erde hinterlassen haben, die sogenannten Bändererze.

Reste einer vergangenen Zeit

Heute spielen solche Mikroben keine große Rolle mehr. Man hat sie in für unsere Begriffe lebensfeindlichen Umgebungen wie etwa den anoxischen Tiefen des Matanosees auf der indonesischen Insel Sulawesi gefunden.

Forscher der kanadischen University of British Columbia und der belgischen Université de Namur meldeten nun die Entdeckung einer großen Gemeinschaft photoferrotropher Mikroben in einer weitgehend isolierten Bucht des zentralafrikanischen Kiwusees. Etwa 30 Prozent der Mikroben in der Kabunobucht betreiben Photoferrotrophie, wie die Forscher um Marc Llirós berichten. Das Ausmaß, in dem die Mikroben gedeihen und Eisen metabolisieren, werten die Studienautoren als Beleg für die Hypothese, dass tatsächlich winzige Organismen die gewaltigen Bändererze erschaffen haben.

Llirós betrachtet die Kabunobucht als "Zeitmaschine". Sie ermögliche einen Blick in jene lange vergangene Ära, als Organismen wie diese die Basis des damaligen Ökosystems bildeten, das Gesicht der Erde veränderten und zugleich das Fundament für späteres komplexes Leben legten. (red, 19. 9. 2015)

  • Blick auf die Kabunobucht am Kiwusee. Unter der Oberfläche fanden Forscher einige sehr, sehr alte Wesenszüge.
    foto: university of british columbia

    Blick auf die Kabunobucht am Kiwusee. Unter der Oberfläche fanden Forscher einige sehr, sehr alte Wesenszüge.

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