An Widerständen wachsen

12. September 2015, 07:00
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Welche Entscheidungen Frau bei Job und Familie auch trifft, sie werden meistens kritisiert, sagt Coach und Autorin Kasia Greco und setzt sich für mehr Mut ein

Mit ihrem ersten Buch – MomsUCan – richtete sich die Trainerin und ehemalige Marketingmanagerin Kasia Greco noch ausschließlich an Mütter: Mit Blackberry und Smartphones unterwegs zu sein, solle für kein schlechtes Gewissen sorgen, so die Message. In ihrem neuen, zweiten Buch richtet sich Greco nun an Frauen ganz allgemein. Egal ob jung oder alt, Karrierefrau oder nicht, mit Ehemann oder homosexuell. In "Unstuck" geht es darum, sich als Frau von den vielen unterschiedlichen Widerständen im Leben zu lösen.

Standard: Im Untertitel Ihres neuen Buches heißt es "Losgelöst – wie Frauen an Widerständen wachsen". Was sind denn diese Widerstände?

Greco: Damit sind die eigenen Ängste gemeint, die oft durch Klischees entstehen, wie das Leben einer Frau von Arbeit bis Familie auszusehen hat.

Standard: Sie erzählen dieses Mal in Form eines Romans und begleiten sechs sehr unterschiedliche Frauen, die sich zufällig begegnen.

Greco: Genau. Es ist die Älteste der Runde, eine ehemalige Geschäftsfrau, die als Bindeglied wirkt und die ganze Gruppe verändert. Durch die Gespräche miteinander und die unterschiedlichen Leben finden die Frauen Mut, wichtige Entscheidungen zu treffen und Zweifel hinter sich zu lassen. Sarah, die Hauptperson, ist meiner Mutter nachempfunden. Sie war eine Frau, die immer die richtigen Worte im richtigen Moment wählte. Man stelle sich vor – damals im kommunistischen Polen hat meine Mutter am Polytechnikum studiert. Das war schon sehr kurios.

Standard: Wieso müssen Frauen denn an Widerständen wachsen? Sollte die Konzentration nicht darauf liegen, die Widerstände abzuschaffen?

Greco: Natürlich wäre das gut. Mein Empfinden ist, dass egal wofür sich eine Frau entscheidet – mit einem Kind zu arbeiten, kein Kind zu bekommen, oder zuhause zu bleiben – es wird meistens kritisiert. Bei "Unstuck" war mein Ansatz, dass wir bei uns im Kleinen beginnen müssen und uns mit anderen austauschen. Sich gegenseitig Mut machen. So beginnt Veränderung.

Standard: Sie haben sich als Coach ja schon lange auf das Thema Frauen und Karriere spezialisiert. Hat sich in den letzten Jahren da denn gar nichts geändert?

Greco: Doch, durchaus. Frauen, und ich meine hiermit vor allem jüngere Frauen, wollen nicht mehr brav sein, nur um einen guten Job zu bekommen. Sie definieren sich viel klarer, beziehen Stellung und stehen auf. Das Gefühl habe ich besonders bei selbstständigen Unternehmerinnen. Bei Angestellten werden die eigenen Ziele oft noch über die Vorgesetzten definiert.

Standard: Das Aufstehen der Frauen, das Sie in ihren Beratungen erlebt haben, hat sich also in den Roman verwandelt?

Greco: So könnte man es sagen. Ich habe all diese Frauen auch kennengelernt, aber für das Buch natürlich das ein oder andere verändert. Die Frage, die sich viele nach der Lektüre hoffentlich stellen, ist: Was will ich wirklich und was brauche ich, um das zu erreichen? Ich habe versucht viele solcher kleinen Fragen, die sich Frauen zu unterschiedlichen Momenten im Leben stellen, in der Geschichte einzuarbeiten.

Standard: Was sind denn die Ziele der sechs Frauen im Buch?

Greco: Die sechs Frauen haben sehr unterschiedliche Wünsche. Sie zweifeln aber alle daran, ob es okay ist, dieses oder jenes Ziel zu haben. Da ist beispielsweise die erfolgreiche Anwältin, deren biologische Uhr tickt. Eigentlich möchte sie gerne Mutter werden, aber sie hat Angst davor, dass Kollegen und Kolleginnen sie für schwach halten.

Standard: Welche Rolle spielen denn die Männer dabei?

Greco: Sowohl im Buch als auch bei meiner Arbeit als Coach spielen die Männer nur eine nachrangige Rolle, denn genau wie wir Frauen sind auch sie vielfältig und wollen ganz unterschiedliche Dinge. Darauf wollte ich im Buch nicht eingehen. Klar ist es wichtig, was für ein Partner hinter einem steht. Dennoch müssen wir Frauen uns auch manchmal am Riemen reißen – das sage ich mir auch selber oft. Denn obwohl man für geteilte Erziehung und Betreuung ist, geht man dann doch lieber allein zum Kinderarzt oder Elternsprechtag, weil man denkt, man kann es besser.

Standard: Sie sind selbst Mutter, Selbstständige, Autorin. Wie definieren Sie sich denn selber?

Greco: Ich stehe zum Begriff Business Mum, allerdings im US-amerikanischen Sinne. Dort versteht man darunter eine Frau, die arbeitet, Ziele hat und außerdem ein Kind hat. Bei uns ist Working Mum ganz anders konnotiert. Aber ich finde es wichtig von der Beschreibung "Mutter, die auch arbeitet" wegzukommen.

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