"Phallotopia": Abschied von der verrückten Männerwelt

10. September 2015, 15:33
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Im Wiener Wuk beginnt die neue Performance-Saison mit einem pikierenden Gender-Abend für Männer und Frauen

Wien – Seinen männerkritischen Hit It's a Man's Man's Man's World schuf James Brown 1966 zusammen mit seiner damaligen Freundin Betty Jean Newsome. Diese hatte den Titel von Stanley Kramers Filmkomödie It's a Mad Mad Mad World (1963) abgeleitet. Später stritten sich Brown und Newsome vor Gericht um Tantiemen – ein Witz aus der Welt der realen Phallokratie.

Ein halbes Jahrhundert später kann schick behauptet werden, die Zeiten wären postphallokratisch, weil seit den Sixties irgendwie alles "post-" ist. Philosophie-Nerds könnten allerdings, in Anlehnung an Nicolas Bourriauds Begriff "Altermoderne", auch über eine "alterphallokratische" Gegenwart spekulieren. Das wäre dann der Hintergrund, vor dem sich Phallotopia abspielt, ein mehrteiliger Abend, mit dem das Wuk am Freitag seine neue Performancesaison startet.

Phallotopia wird ein Ort, an welchem dem Alter-Mann ein Post-Verständnis angetragen wird. Mann lernt sich kennen. Da stellt Julius Deutschbauer eine neue Partei vor: PIK – Partei der institutionalisierten Kürzungen. Als der Wiener Künstler Kulturstadtrat Mailath-Pokorny vergangenen Samstag einlud, doch jetzt im Herbst die PIK zu wählen, zuckte dieser zart pikiert mit den Mundwinkeln. Seinen Wahlkampf führt Deutschbauer, mit Bruno-Banani-Unterwäsche bewaffnet, von einem Dauerfrostwagen aus.

Danach wird es wärmer. Denn Vincent Riebeek mixt dem Publikum einen Flaming Lamborghini. Unter diesem Titel identifiziert sich Riebeek – wie auch schon vergangenen Impulstanz-Sommer beim Schönheitsabend mit Florentina Holzinger – mit Vaclav Nijinski, dem wohl berühmtesten Tänzer des vorigen Jahrhunderts. Zitat: "Mit einer vollen Ladung Popkultur werden Sex und Gender auseinanderdividiert."

Weiters kommen einander die Herren Philippe Rièra und Philipp Gehmacher in einem Battle näher. Und Luke Baio bastelt mit Dominik Grünbühel bubentypisch an sight organ, ihrer neuesten Performance, die ein digitaler Spielplatz für das Publikum werden soll. (Helmut Ploebst, 10.9.2015)

Wuk, 11. und 12. 9., 20.00

  • "Flaming Lamborghini": Vincent Riebeek setzt sich fürs Symbolbild in Positur des heiligen Sebastian.
    foto: jurica sertic

    "Flaming Lamborghini": Vincent Riebeek setzt sich fürs Symbolbild in Positur des heiligen Sebastian.


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