Sprachsalz in der Wortsuppe

10. September 2015, 16:36
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Vielstimmigkeit steht bei den Literaturtagen Hall im Vordergrund

Lebenslanger Lesehunger und die große Liebe zu Literatur und Sprache treibt das siebenköpfige Organisationsteam an. Zum 13. Mal findet Sprachsalz – Internationale Literaturtage Hall heuer statt.

Kein Wettlesen wird veranstaltet, keine Preise werden verliehen, nicht einmal ein Thema ist vorgegeben. Vielstimmigkeit steht im Vordergrund: Bis Sonntag lesen im Tiroler Ort fünfzehn Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Israel, Syrien, den USA und der Schweiz.

Darunter der – Ausnahme, denn eigentlich wird jeder Autor nur ein einziges Mal zu Sprachsalz geladen! – zum zweiten Mal teilnehmende Schweizer Poet Peter Bichsel. Bei der allerersten Sprachsalz-Ausgabe vor dreizehn Jahren hatte er einen fulminanten Auftritt, diesmal wird er, gerade 80 geworden, Über das Wetter reden.

Dem österreichischen Sprachkünstler und Sprachexperimentierer Ernst Jandl zum 90er ist ein Spezial gewidmet. Seine Texte szenen aus dem wirklichen leben / die humanisten werden mehrstimmig interpretiert und musikalisch begleitet.

Aus ihrem dokumentarischen Roman Who the Fuck is Kafka (dtv 2015) wird die israelische Schriftstellerin und Tochter des Holocaust-Überlebenden Lizzie Doron lesen. Darin erzählt sie von ihrer komplizierten Freundschaft zu einem palästinensischen Menschenrechtsaktivisten. Die beiden haben sich während des letzten Gazakrieges bei einer Friedenskonferenz in Rom kennengelernt und begonnen, berufliche Pläne zu schmieden. Ein gemeinsames Filmprojekt soll realisiert werden. Doch es sind nicht zuletzt die beiden unterschiedlichen Sprachen, die Differenzen aufwerfen und sichtbar machen, wie tief die Kluft zwischen diesen beiden zutiefst traumatisierten Völkern ist. Spricht sie von Terroristen, so denkt er an Märtyrer. Zu seinem Schutz hat Lizzie Doron ihm im Roman einen anderen Namen gegeben. In Israel ist das Buch bislang nicht erschienen. (dns, 10.9.2015)

11.-13. 9., Parkhotel und andere Orte. Freier Eintritt, keine Reservierung.

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Sprachsalz

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