"Die gehören angezündet": Ermittlungen wegen Rassismus auf Tiroler Fußballplatz

Blog10. September 2015, 16:44
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Spieler des FC Sans Papiers Innsbruck wurden von Gegnern wüst beschimpft, bespuckt und mit Bier übergossen

Die letzten Winkel Tirols erreicht offenbar nicht einmal die österreichische Fußballnationalmannschaft. Erst am Freitag hatten die Teamspieler gemeinsam mit einem Transparent dazu aufgerufen, Flüchtlinge zu respektieren und damit ein Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt. Am Tag darauf spielte der SV Scharnitz gegen den 2.-Klasse-Mitte-Verein Sans Papiers Innsbruck. Eine Mannschaft, deren Spieler sich größtenteils in einem laufenden Asylverfahren befinden oder über keine längerfristigen Aufenthaltsdokumente verfügen. Gegründet wurde der Verein, um gegen Rassismus im Sport einzutreten.

Im Fußball mag der Umgangston manchmal etwas ruppiger sein. Vor allem, wenn eine Niederlage droht, gehen dem einen oder anderen Kicker schon einmal die Nerven durch. Das kennt man. Angesichts eines 6:0-Kantersieges passiert das allerdings eher selten. Die Ausnahme: der FC Scharnitz und seine Fans.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt

Zwei Spieler und mehrere Zuseher begannen schon während der von Scharnitz dominierten Partie, die gegnerische Mannschaft wüst zu beschimpfen. Die Begriffe "Neger" und "Kameltreiber" seien mehrfach gefallen. Die Situation habe sich dann immer weiter aufgeschaukelt, erzählt die Sans-Papiers-Vereinsobfrau und Innsbrucker Gemeinderätin Angelika Eberl (SPÖ). Schlussendlich sei ihr Tormann mit Bier übergossen, andere ihrer Spieler bespuckt und geschubst worden, von der Tribüne habe sie "Affenlaute" vernommen. "Die gehören alle angezündet, diese Schmarotzer", soll ein Scharnitz-Fußballer geschrien haben.

Mit genau jenem letzten Satz befasst sich nun auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt derzeit noch gegen unbekannt wegen Verhetzung und Gutheißung einer mit Strafe bedrohten Handlung. Der Sportverein Scharnitz hat sich inzwischen von den "Geschehnissen" distanziert und angekündigt, sich von den betroffenen Spielern zu trennen, wenn sich die Vorwürfe bestätigen. "Eine Entschuldigung alleine reicht uns nicht", sagt Eberl.

Antirassismusarbeit umsetzen

Sie werde sich noch diese Woche mit den Obleuten des Vereins zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen. "Ich würde den Vorfall gerne positiv nutzen, um auf Rassismus im Sport aufmerksam zu machen. Vielleicht könnte das Nationalteam einmal auf die unteren Ligen schauen, dort könnten die Profis ihre Antirassismusarbeit auch praktisch umsetzen." (Katharina Mittelstaedt, 10.9.2015)

  • "Die gehören alle angezündet, diese Schmarotzer", soll ein Scharnitz-Fußballer den Spielern des FC Sans Papier zugeschrien haben. Der Satz befasst nun auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft.
    foto: apa / hans punz

    "Die gehören alle angezündet, diese Schmarotzer", soll ein Scharnitz-Fußballer den Spielern des FC Sans Papier zugeschrien haben. Der Satz befasst nun auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft.

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