Arbeit für Asylwerber: Sozialpartner sind offen

10. September 2015, 14:58
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WKO und ÖGB dafür, Industriellenvereinigung will Arbeitsgenehmigung "nach einer bestimmten Zeit", Landwirtschaftskammer braucht Erntehelfer

Wien – In die Debatte über eine Arbeitserlaubnis für Asylwerber ist Fahrt gekommen. Alle Seiten zeigten am Donnerstag Diskussionsbereitschaft, und es war abzusehen, dass die Frage auch in der Regierungsklausur am Freitag auf den Tisch kommt. Eine Entscheidung ist dann aber noch nicht realistisch.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl erklärte am Donnerstag, dass die "Sozialpartner grundsätzlich übereinstimmen, dass Asylwerber in sämtlichen Branchen die Möglichkeit einer Beschäftigungsbewilligung erhalten sollen". Allerdings unter der Voraussetzung des Ersatzkräfteverfahrens, also nur dann, wenn der Arbeitskräftebedarf nicht mit inländischen Bewerbern gedeckt werden kann.

Auch eine ÖGB-Sprecherin sagte: "Wir bekennen uns zu einem erleichterten Zugang", eben unter Berücksichtigung des Ersatzkräfteverfahrens. Allerdings brauche es auch eine Art "ordnende Instanz" für die Betreuung von Flüchtlingen. Der Gewerkschaftsbund ist sich dabei nicht ganz sicher, ob das "für das AMS administrierbar ist".

Industriellenvereinigung für Bewilligung

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), erklärte, die IV sei seit vielen Jahren der Meinung, dass Asylwerber nach einer bestimmten Zeit eine Arbeitsgenehmigung bekommen sollten. Wenn das der Fall ist, werde man entsprechende Arbeitsplätze zur Verfügung stellen können, sagte Kapsch auf Ö1.

Sein Unternehmen beschäftige wie auch andere Firmen unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in einem Lehrlingsprogramm, so Kapsch. Er kritisierte grundsätzlich die hohen bürokratischen Hürden in Österreich, das betreffe sowohl die Unterbringungs- als auch die Beschäftigungsmöglichkeiten. Es gebe "nichts Schlimmeres", als arbeiten zu wollen, aber nicht zu dürfen. Das habe negative Folgen für die Integration.

Die Landwirtschaftskammer ist eher gegen einen freien Arbeitsmarktzugang "ab dem ersten Tag des Asylverfahrens", kann sich aber einen Probelauf in einem "eher eng abgesteckten Umfeld" vorstellen, sagte Präsident Hermann Schultes. Er wünscht sich ein Sonderkontingent für Saisonarbeiter in der Wald- und Forstwirtschaft sowie für Erntehelfer – schließlich steht die Weinlese an. (APA, 10.9.2015)

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