TV-Debatte: Tsipras und seine Gegner werben für Sparkurs

10. September 2015, 14:32
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Die erste Fernsehdebatte vor der Griechenland-Wahl sah Tsipras und Meimarakis Seite an Seite

Ankara/Athen – Sieben Parteichefs, sieben Journalisten, drei Stunden am Schirm: Die erste TV-Wahldebatte seit Beginn der Finanzkrise 2009 hat den Griechen die Entscheidung nicht eben leichter gemacht. Bis auf die Kommunisten und die Rebellen der bisherigen linksgerichteten Regierungspartei Syriza haben alle Politiker am Mittwochabend die Umsetzung des neuen Spar- und Kreditabkommens versprochen. Die einen grummelnd, die anderen väterlich-beruhigend.

"Der Kampf geht weiter, und wir hoffen, in Zukunft Erfolg zu haben", sagte ein treuherzig dreinblickender Alexis Tsipras, Expremier seit Ende August. "Wir bitten um die Stimmen des Volkes, um zu vollenden, wofür wir in der früheren Amtszeit keine Zeit hatten", gab Vangelis Meimarakis an, der Chef der konservativen Nea Dimokratia (ND). Zehn Tage sind es noch bis zur zweiten vorgezogenen Parlamentswahl in Griechenland in diesem Jahr.

Syriza-Abspalter wollen zur Drachme zurück

Der Vorsprung von Syriza scheint längst verpufft. In der jüngsten Umfrage vom Dienstag lagen die einstigen Sparkursgegner nur einen halben Prozentpunkt vor der ND: 28 Prozent für die Rumpfpartei von Tsipras, 27,5 für Meimarakis, den "Inbegriff der alten Ordnung", wie selbst die konservative Presse einräumt; und 3,5 Prozent für die Syriza-Abspaltung Volkseinheit des ehemaligen Energieministers Panagiotis Lafazanis. Drei Prozent sind für den Einzug ins Parlament erforderlich.

Lafazanis plädierte offen für die Rückkehr zur Drachme. Zehn EU-Staaten benützten ihre eigene nationale Währung und seien nicht unglücklich, argumentierte er. Tsipras räumte einmal mehr ein, dass er seine Wahlversprechen "zum Teil" nicht eingelöst habe. Doch die Bedingungen, die seine Regierung verhandelt habe, seien besser als das, was seine Vorgänger erreicht hätten. Wer am Ende die nächste Koalitionsregierung in Griechenland anführt, ist offen. Meimarakis jedenfalls wäre auch zu einer großen Koalition bereit. (Markus Bernath, 10.9.2015)

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