Steßl will bindende Frauenquote

12. September 2015, 09:30
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SP-Staatssekretärin Sonja Steßl bleibt am Thema und verlangt Frauenbeteiligung ganz oben via Gesetz

Europaweit ist der Vorstoß für eine gesetzliche 40-prozentige Frauenquote in den Aufsichtsräten auf halber Strecke erstarrt. Machtdiskurse zu Geschlechterfragen sind von den Titelseiten nach hinten gewandert. SP-Staatssekretärin Sonja Steßl facht die Diskussion nun aber erneut an: "Wir werden um eine gesetzliche Regelung für börsennotierte Unternehmen nicht herumkommen", sagte sie kürzlich auch in Alpbach und will am Thema bleiben.

foto: apa
Sonja Steßl lässt sich nicht abbringen und bleibt an der Quotenforderung

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will solcherart auch in die Privatwirtschaft eingreifen. Steßl beruft sich als Vorsitzende des Nominierungskomitees für die ÖIAG-Nachfolgerin ÖBIB auf den vorhandenen Pool an Kompetenzen – sechs von acht neuen Aufsichtsmandaten wurden in diesem Wirkungsbereich heuer mit Frauen besetzt. Dass es sie ja leider, leider nicht gebe, die Frauen, die wollen und auch können, sei also unrichtig.

Die ablehnende Haltung des Koalitionspartners zur Quote ist unverändert. Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer berufen sich auf evolutionäre Entwicklung und führen etwa ihren Lehrgang "zukunft.frauen" inklusive der daraus bereits entstandenden Liste möglicher Kandidatinnen für Aufsichtsmandate ins Treffen. Andere versuchen das Thema damit abzuhandeln, dass "ja sicher keine Frau eine Quotenfrau" sein möchte.

Wobei: Wer sich überlegt, in die Verantwortung und Haftung einer solchen Position zu gehen, wird wohl nicht mit Hypersensibilität gegen irgendwelche kränkenden Zuschreibungen und Zurufe so weit gekommen sein.Interessant die Position von Viktoria Kickinger, Gründerin des Aufsichtsräte-Netzwerks Inara: Sie wirft ein, dass es gelte, schnell mehr Frauen in operative Spitzenpositionen zu bringen, weil dann der Aufsichtsnachwuchs quasi organisch in Position rücke. Also: im Operativen ansetzen.

Die Mischung in Zahlen

Da wären ausreichend Ansatzpunkte vorhanden: Von allen in Wien gelisteten Unternehmen (214 Vorstandsmitglieder) sind nur neun weiblich. In den größten sechs Banken im Lande liegt die faktische Frauenquote bei sechs Prozent. Insgesamt sind nur zehn Prozent Frauen in leitenden Positionen in der heimischen Finanzwirtschaft. 16 Prozent sind es in den Aufsichtsgremien.Wobei – der Blick in die politischen und institutionellen Strukturen Europas zeigt auch: Im Rat sitzen 18 Prozent Frauen, 32 Prozent Kommissarinnen sind ein Erfolg des Präsidenten. In der Eurogruppe der Finanzminister sitzt allerdings wieder nur eine Frau, im EZB-Rat sind es zwei.Und was hört das Ohr der Eurobarometer-Umfrage zum Thema? Vor vier Jahren glaubten 36 Prozent der Österreicher, dass Frauen nicht die notwendigen Qualifikationen für Spitzenjobs haben.

Diese Qualifikationen wurden allerdings nicht benannt – sollte die Vermutung der Österreicher in Richtung "Skrupellosigkeit" und "bedingungsloser Drang zu Effizienz" usw. gegangen sein, dann wäre das ja so etwas wie ein Kompliment.Was eine ordentliche Rollenverteilung in der Gesellschaft ist, wird laut Eurobarometer allerdings glasklar: "Sollen Frauen bei gleicher Qualifikation gleich stark in Führungspositionen vertreten sein?" 83 Prozent der Schweden und 65 der Franzosen sagen: Sicher. Doch nur 35 Prozent der Österreicher möchten das haben.

Vorbereitung tut gut

Dass immerhin 37 Prozent meinen, es bedürfe verbindlicher rechtlicher Maßnahmen, um Geschlechtergerechtigkeit in Aufsichtsräten zu erreichen, wertet Steßl als Erfolg und Rückenwind. Möglich, dass sie recht hat. Auf den Prioritätenlisten steht das Thema derzeit allerdings nicht. Aber kommen wird es wohl. Im Zuge von Risiko- und Diversitymanagement sollten sich die Börsennotierten aber nicht mehr allzu lange Zeit lassen und nicht mehr nur auf den Sanktus des EU-Rates zur Quote warten. (kbau, 12.9.2015)

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