Gibt es doch noch Karrieristen?

10. September 2015, 14:29
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Von wegen Work-Life-Balance: Für zwei Drittel der Berufseinsteiger geht der berufliche Erfolg offenbar doch vor

Nicht auf Geld aus, kein Interesse an Spitzenpositionen, der Wunsch nach viel Freizeit. So in etwa lauten gängige Vorstellungen von Vertretern der sogenannten Generation Y. Zumindest ein klein wenig differenzierter betrachtete nun das deutsche Kienbaum Institut@KSM für Leadership und Transformation die Kohorte in einer neuen Studie mit 600 Hochschulabsolventen – und identifizierte vier Typen von Berufsanfängern: Die Ambitionierten, die Karriereorientierten, die Erlebnisorientierten und die Orientierungssuchenden.

Zwei Drittel auf Karriere aus

Bei den Ambitionierten und den Karriereorientierten könnten Arbeitgeber noch mit klassischen Karriereangeboten punkten, heißt es. Für sie hat beruflicher Erfolg nach wie vor einen hohen Stellenwert, ihr Leistungswille ist stark ausgeprägt. Beide Typen würden sich auch für führende Rollen eignen. Diese Absolventengruppe macht laut Studie 58 Prozent aus.

Erlebnisorientierte (29 Prozent) und Orientierungssuchende (13 Prozent) gehören dagegen zu den Berufseinsteigern, für die die Erwerbstätigkeit derzeit keinen großen Stellenwert in der Lebensplanung einräumt – und die dementsprechend auch keine Führungsposition anstreben.

foto: istock

Typ 1: Die Karriereorientierten

Die Gruppe der Karriereorientierten entspricht dem Bild des ehrgeizigen Berufseinsteigers: Wichtigstes Lebensziel ist beruflicher Erfolg.

Familie, Freunde und Gesundheit haben zwar ebenso einen hohen Stellenwert – aber Karriere geht vor. Der Traum der Karriereorientierten: Eine gut bezahlte Stelle als Führungskraft. Auf dem Weg nach oben motivieren sie regelmäßiges Lob und Anerkennung von Vorgesetzten.

In dieser Gruppe befinden sich offenbar deutlich mehr Männer als Frauen. Insgesamt zählt jeder fünfte Befragte dazu.

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Typ 2: Die Ambitionierten

Die Ambitionierten wollen alles und das möglichst gleichzeitig: Erfolg und Karriere spielen eine große Rolle, aber Familie und Freunde sollen nicht vernachlässigt werden. Um beides möglichst gut miteinander zu vereinbaren, sind sie bereit, hart zu arbeiten. Die Anforderungen an den zukünftigen Arbeitgeber sind laut Kienbaum-Studie eine Aussicht auf ausreichend Karrieremöglichkeiten und vielfältige Aufgabenanforderungen, aber auch eine kollegiale Arbeitsatmosphäre und eine gute Work-Life-Balance.

Um Leistung realistisch einschätzen und sich auch verbessern zu können, ist ihnen ein regelmäßiges Feedback wichtig. Die Ambitionierten stellen mit 38 Prozent die größte Gruppe innerhalb der Absolventen, Männer und Frauen sind darin gleichermaßen vertreten.

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Typ 3: Die Erlebnisorientierten

Für Erlebnisorientierte stehen Familie und Freunde an erster Stelle der Werteskala. Sie sind, wie in der Studie dargestellt, immer wieder auf der Suche nach Abwechslung, die sie am liebsten mit ihrem privaten Umfeld erleben. Dabei dürfte das Bedürfnis nach Harmonie stark ausgeprägt sein. Von ihrem zukünftigen Arbeitgeber erwarten Erlebnisorientierte die Möglichkeit zur Weiterbildung sowie eine abwechslungsreiche Tätigkeit in kollegialer Arbeitsatmosphäre mit flachen Hierarchien.

Das Streben nach einer großen Karriere ist bei dem Erlebnisorientierten gering ausgeprägt. Wichtiger ist ihm eine gute Work-Life-Balance. Jeder dritte Absolvent (29 Prozent) zählt offenbar zu diesem Typus, darunter: mehr Frauen als Männer.

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Typ 4: Die Orientierungssuchenden

Orientierungssuchende, in der Umfrage immerhin 13 Prozent, stellen Arbeitgeber vor große Herausforderung: Die eigene Gesundheit sowie Familie und Freunde sind für diese Gruppe am wichtigsten. Dabei sind sie noch unschlüssig über ihre Ziele im Leben. Es fällt ihnen scheinbar schwer, einzelne Werte zu priorisieren.

Von ihrem Wunscharbeitgeber erhoffen sich Orientierungssuchende daher klare Zielvorgaben und Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem ist es dieser Gruppe offenbar wichtig, sich mit der Arbeit identifizieren zu können – ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Zu dem Typ des Orientierungssuchenden zählen Männer und Frauen gleichermaßen.

Einsatz im Unternehmen

Und wie können die Unternehmen die vier Typen nun einsetzen? "Sinnvoll ist, wenn Vorgesetzte und Recruiter sich Gedanken machen, welche Absolventen zu ihnen passen und welche Bestandteile ihres Angebotes sie ihnen gegenüber hervorheben wollen", so die Empfehlung des Kienbaum Instituts.

Der Orientierungssuchende könnte beispielsweise ein interessanter Kandidat für Arbeitgeber mit umfangreichen Traineeprogrammen sein, die es ermöglichen, zunächst viele verschiedene Unternehmensbereiche kennenzulernen. Karriereorientierte seien wiederum eher für internationale Konzerne geeignet, sowie für Berufe mit Schichtarbeit oder hoher Reisetätigkeit, denn sie sind bereit, für die Karriere auch Abstriche im Privatleben zu machen. Erlebnisorientierte dürften sich hingegen bei Startups wohler fühlen. (lib, 10.9.2015)

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