Karmasin vertraut jetzt auf Verhaltensökonomie

10. September 2015, 11:02
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ÖVP-Ministerin will anstatt mit Gesetzen mit Motivation das Land familienfreundlicher machen

Wien – Statt mit mehr Gesetzen will Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) das Land nun mit Erkenntnissen aus der Verhaltensökonomie familienfreundlicher gestalten – konkret macht den 20- bis 40-Jährigen nämlich die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Job das meiste Kopfzerbrechen, und da gebe es "massiven Handlungsbedarf", wie Karmasin am Donnnerstag an der Akademie der Wissenschaften bei einem Symposium über Verhaltensökonomie erläuterte.

Anreize statt Regulierung

Deswegen will sich die Ministerin nun bei Experten Rat holen, wie man die Väterbeteiligung an der Erziehung steigern könnte und wie Unternehmen zu flexibleren Arbeitszeiten zu bewegen sind – allerdings ohne Regulierung, sondern mit besseren Anreizen, wie Karmasin mehrmals betonte, denn: "Viele Entscheidungen werden nicht rational, sondern sehr emotional gefällt", weiß die Ministerin aus der Verhaltensökonomie.

Briefe an Wiedereinsteigerinnen

Im Detail will sie nun etwa ab Oktober gemeinsam mit dem AMS an Frauen in Karenz Informationsschreiben zum Wiedereinstieg versenden, in denen ihnen unter anderem ausführlich erklärt wird, welche Teilzeitmodelle sie wählen können.

Motivation mit Geld

Dazu bewarb Karmasin ihren Partnerschaftsbonus, der aus ihrer Sicht im Zuge der Kindergeldreform kommen soll: Bei einer annähernd gleichmäßigen Aufteilung der Bertreuungszeiten soll dieser den Paaren 1.000 Euro bringen. Denn derzeit nehmen Väter nicht viel mehr Kindergeldzeit in Anspruch, als notwendig ist, um den vollen Bezug ausschöpfen zu können.

Keine Schwarz-Weiß-Geschichte

Parallel dazu erläuterte Martin Kocher von der Ludwig-Maximilians-Universität München, dass die Politik oft legistische "Fehlanreize" setze, die in die falsche Richtung gingen und mitunter auch noch viel kosten. Dass sich die ÖVP-Ministerin so ihr Mantra von der "Wahlfreiheit" in der Familienpolitik wissenschaftlich absichern lassen wolle, wies Karmasin zurück: "Das ist keine Schwarz-Weiß-Geschichte." Auch für klassische politische Instrumente müsse freilich Platz sein, "das darf sich nicht ausschließen". (Nina Weißensteiner, 10.9.2015)

  • Sieht "massiven Handlungsbedarf" in der Frage nach der Vereinbarkeit von Job und Familie: Familienministerin Sophie Karmasin.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Sieht "massiven Handlungsbedarf" in der Frage nach der Vereinbarkeit von Job und Familie: Familienministerin Sophie Karmasin.

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