Hausübung: Nicht Zeit, sondern Motivation entscheidend

10. September 2015, 09:42
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Eine Studie zeigt, dass die Dauer, die für Hausaufgaben aufgewendet wird, für den Lernerfolg zweitrangig ist

Viele Lehrkräfte, die mit dem Lernerfolg ihrer Schüler und Schülerinnen unzufrieden sind, haben im Unterricht schon einmal diese Frage gestellt: Wie viel Zeit habt Ihr für die Hausaufgaben aufgewendet? Tübinger Bildungsforscher fanden nun heraus, dass dies nebensächlich ist. Ob Schülerinnen und Schüler bei ihren Hausaufgaben erfolgreich lernen, hängt vielmehr damit zusammen, mit wie viel Sorgfalt und Anstrengung sie bei der Sache sind.

In einer Studie haben Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung das Hausaufgabenverhalten von knapp 2000 Achtklässlern in Deutschland untersucht. Als Untersuchungsobjekt wurde das Fach Französisch herangezogen. Dabei wurde die mit den Hausaufgaben verbrachte Zeit in Verbindung mit Sorgfalt/Anstrengung und der letztendlichen Leistung der Schülerinnen und Schüler betrachtet.

Arbeitsstil entscheidend

Fazit der Bildungsforschern: Es gibt fünf unterschiedliche Hausaufgabentypen. Nämlich die: fleißigen Schnellen, Hochengagierten, Durchschnittsschüler, sich abmühenden Lerner und Minimalisten. Laut den Forschern und Forscherinnen sind diese Typen über einen längeren Zeitraum stabil. Ob lange Hausaufgabenzeiten zu einer höheren Leistung führen, hängt davon ab, zu welchem Hausaufgabentyp ein Schüler gehört. So benötigen die sich abmühenden Lerner meist lange für ihre Aufgaben und erzielen dennoch keine guten Ergebnisse.

Eine Annahme, die viele Wissenschaftler und Praktiker für selbstverständlich hielten, ist damit widerlegt: Ein hoher Zeitaufwand bei den Hausaufgaben wirkt sich nicht automatisch positiv auf die Leistung aus. Ob lange Bearbeitungszeiten ein Zeichen für Fleiß sind oder von Eltern als Alarmsignal gesehen werden sollten, hängt vielmehr stark vom Arbeitsstil des Kindes ab.

Fleißig aber schnell

Ziel von Fördermaßnahmen sollte den Ergebnissen der Studie zufolge sein, Schüler in die "Fleißig aber schnell" Kategorie zu bringen. Dies gilt vor allem für die sich abmühenden Lerner. "Der nächste Schritt in der Hausaufgabenforschung sollte es sein, an Maßnahmen zu arbeiten, die Kindern helfen, ihre Hausaufgaben effizient zu bewältigen", sagt Barbara Flunger, Erstautorin der Studie.

Strategien für die Förderung schwächerer Lerner könnten zum Beispiel Maßnahmen sein, die den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, wie wichtig Hausaufgaben sind. Verschiedene wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass Motivation und Anstrengungsbereitschaft durch solche Maßnahmen nachhaltig gesteigert werden können. Eine weitere Fragestellung für künftige Studien sei außerdem herauszufinden, wie sich die elterliche Hilfe auf das Hausaufgabenverhalten auswirkt.

"Mit ihrem Fokus auf die Hausaufgabenzeiten ging die Forschung zu Hausaufgaben die letzten Jahrzehnte in die falsche Richtung", sagt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. Denn entscheidend für gute Leistung sind die Motivation und Selbstregulation und weniger die Zeit, die Schülerinnen und Schüler für ihre Hausübungen aufwenden. (red, 10.9.2015)

  • Nicht auf die Lerndauer, sondern auf die Konzentration kommt es an
    foto: ap

    Nicht auf die Lerndauer, sondern auf die Konzentration kommt es an

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