Abstieg: Brasilien wieder "Ramsch"

10. September 2015, 17:50
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Schwerer Rückschlag für Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, die seit Monaten versucht, das von einem Korruptionsskandal erschütterte Land aus der Rezession zu führen

Rio de Janeiro – Schwerer Rückschlag für Brasiliens Bemühen, seine Wirtschaft zu stabilisieren: Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas in der Nacht auf Donnerstag auf "Ramsch" herabgestuft und eine weitere Verschlechterung nicht ausgeschlossen. Die politischen Herausforderungen, vor denen Präsidentin Dilma Rousseff stehe, seien gestiegen, ließ S&P wissen.

Der Dollar verteuerte sich daraufhin um bis zu 3,7 Prozent. Das ist der größte Kurssprung seit zwei Jahren. Mit 3,9161 Real war die US-Valuta damit so teuer wie zuletzt vor 13 Jahren.

Riesiger Schuldenberg

Auch brasilianische Aktien warfen Investoren aus ihren Depots. Anleger befürchteten schwindende Gewinne. Zu den größten Verlierern zählten die Aktien von Petrobras, die sich um 5,5 Prozent verbilligten. Der staatliche Ölkonzern sitzt auf einem 140 Milliarden Dollar hohen Schuldenberg. Kein anderes Unternehmen der Branche hat mehr Verbindlichkeiten. Präsidentin Rousseff versucht seit Monaten, das von einem Korruptionsskandal erschütterte Land aus der Rezession zu führen und ringt um das Vertrauen der Finanzmärkte.

S&P nahm das Kreditrating auf "BB-plus" von "BBB-minus" zurück. Für Regierung und Unternehmen in Brasilien könnten sich neue Kredite nun verteuern, weil Geldgeber oft für ein schlechteres Rating einen höheren Risikoaufschlag verlangen.

Fitch und Moody's optimistischer

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. S&P hatte vor knapp zwei Monaten vor der Möglichkeit einer Herabstufung gewarnt. Es ist allerdings unüblich, dass eine Umsetzung dann tatsächlich so zeitnah vorgenommen wird. Umgekehrt verdeutlicht es, wie schnell sich die Finanz- und Wirtschaftslage des Landes zuletzt verschlechtert hat.

Das hat auch mit der Abschwächung der Konjunktur in China zu tun, dem größten Exportmarkt für das lateinamerikanische Land. Bei den anderen beiden großen Ratingagenturen – Fitch und Moody's – verfügt Brasilien noch über den Status "Investment-Grade".

Sparprogramm geplant

Finanzminister Joaquim Levy erklärte kurz nach der S&P-Mitteilung, die Regierung werde in den kommenden Wochen dem Kongress Einsparungsvorschläge unterbreiten, um im Haushalt 2016 einen Primärüberschuss – also ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen – zu erreichen. Rousseff hatte noch im August ein Defizit für den Haushalt 2016 angekündigt.

Brasilien hat lange Zeit von einem Rohstoffboom profitiert und auch deswegen 2008 das "Investment Grade"-Siegel bekommen. Es war damals eine Bestätigung für den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg des Landes. Mittlerweile schrumpft die Wirtschaft aber. (Reuters, 10.9.2015)

  • Eine hartnäckige Rezession gepaart mit Korruptionsskandalen hält Brasilien in Atem und knabbert an der Popularität der Präsidentin Dilma Rousseff.
    foto: ap / peres

    Eine hartnäckige Rezession gepaart mit Korruptionsskandalen hält Brasilien in Atem und knabbert an der Popularität der Präsidentin Dilma Rousseff.

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