Uno: Weitere 60.000 Flüchtlinge bis Ende Oktober

9. September 2015, 19:12
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Die EU bleibt Zielgebiet, die Fluchtroute könnte über andere Balkanstaaten führen

Die starke Fluchtbewegung nach Europa wird in den kommenden Wochen anhalten. Davon ist man beim UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) überzeugt. 381.000 Menschen seien 2015 bereits angekommen, bis Ende Oktober sei mit weiteren rund 60.000 Flüchtlingen zu rechnen, sagt Ruth Schöffl vom Wiener UNHCR-Büro dem STANDARD. Wie es dann weitergehe, sei nicht abschätzbar.

"Bis Oktober, also Herbstbeginn, ist das Mittelmeer meist einigermaßen ruhig", erläutert Schöffl. Und über das Meer komme die große Mehrheit der Syrer, Afghanen, Iraker und Somalier, die in der EU Sicherheit vor Krieg, Verfolgung und Elend suchen.

Bis zum Sommer wählten die Schutzsuchenden mehrheitlich die Route von Libyen übers Meer nach Italien. Danach rückte der Fluchtweg aus der Türkei auf eine griechische Insel, das Festland, Mazedonien oder Serbien und Ungarn ins Zentrum.

Die Gründe für diese Verschiebung seien vielfältig, sagt Schöffl. "Erstens wurde es in Libyen immer gefährlicher, zweitens schreckten viele Flüchtlinge nach Berichten über Bootsunglücke vor der Italien-Überfahrt zurück, drittens wurde mit der Frontex-Mission Triton vor Italien die Schlepperbekämpfung intensiviert."

Wie sich die Fluchtrouten nach dem 15. September verschieben werden, wenn in Ungarn "illegaler Grenzübertritt" mit Haftstrafen geahndet wird, ist laut Schöffl unklar. Auf alle Fälle seien die UNHCR-Büros in anderen Balkanstaaten, etwa Bosnien-Herzegowina und Kroatien, aufgefordert worden, sich auf eine größere Zahl Ankommender vorzubereiten.

Was die Menschen dazu bringe, eine lebensgefährliche Flucht auf sich zu nehmen, sei pure Verzweiflung, betont Schöffl: "Laut stichprobenartigen Umfragen unter neuen Asylwerbern kommen die meisten direkt aus Syrien, wo sich die Kämpfe weiter intensivieren. In Flüchtlingslagern im Libanon oder der Türkei ist für sie de facto kein Platz mehr." Diese Länder seien bereits weit über ihre Kapazitäten hinaus gefordert. (bri, 9.9.2015)

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