Österreichs Nationalfußballer

9. September 2015, 20:19
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"Brrrm, brrrm, brrrm bmm bmm"

"Dei hohe Zeit", so heißt es in Rainhard Fendrichs inoffizieller Landeshymne, die Heimspiel für Heimspiel intoniert wird, "dei hohe Zeit is' lang vorüber." Durch schmerzvolle Jahre ist das auch unmittelbar aufs Bevorstehende bezogen worden. Spätestens seit dem 4:1-Sieg in Schweden und der souveränen Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ist das allerdings obsolet.

"Dei hohe Zeit hat grad begonnen." Man sollte vorsichtig sein mit ballesterischem Historisieren. Aber dieses Team, das der Schweizer Marcel Koller da zusammengefügt hat mit gelassener Sturheit gegenüber dem heimischen Brauchtum, hat das Potenzial zu etwas ganz Großem. Würdig der Ahnenreihe der mittlerwei- le auch schon 113 Jahre alten Institution namens "Österreichisches Nationalteam", in die jene Besten der besten Ballesterer gerufen werden, die man früher "Internationale" genannt hat.

Auf die Welt gekommen ist diese Institution – jener sportliche Thespiskarren, der viele oft beschämt, viele oft begeistert, nie aber jemanden kaltgelassen hat – standesgemäß im Wiener Prater. Am 12. Oktober 1902 besiegte auf dem WAC-Platz Cisleithanien Transleithanien mit 5:0. Der G'stutzte, Jan Studnicka, erzielte dabei drei Tore. Damit wurde eine sehr langlebige Tradition begründet. Österreich und Ungarn sind ballesterisch bis heute 136-mal aufeinandergetroffen.

Seither gab es, no na, Hochs und Tiefs. Die bislang letzte Qualifikation für ein Turnier war die für die WM in Frankreich 1998. Zur Heim-EM zehn Jahre später gelangte man als Gastgeber, aber rund um die Teams jener Jahre kreiste der Geier namens Hybris aus dem argentinischen WM-Jahr 1978, als Hans Krankl – Was heißt? HANS KRANKL!- die Deutschen betoniert hatte.

Nicht nur im Rückblick darf, muss man sagen, dass es eine der weisesten Entscheidungen des Österreichischen Fußballbundes war, mit Marcel Koller einen zu holen, der mit dem österreichischen Befindlichkeitsdrama genauso wenig anfangen konnte wie die Spieler, die allerspätestens seit Schweden füglich die seinen genannt werden können. Und denen künftig vielleicht auch offiziell die bisher bloß vorbereitend eingespielte eigentliche österreichische Hymne gesungen werden sollte. Nicht bloß die – "heiß umfehdet, wild umstritten" – staatliche. Die wäre dann ja auch textlich genderneutral: "Brrrm, brrrm, brrrm bmm bmm." (Wolfgang Weisgram, 9.9. 2015)

  • Österreichs Fußballer haben sich den Radetzkymarsch verdient.
    foto: ap/suslin

    Österreichs Fußballer haben sich den Radetzkymarsch verdient.

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