Ärztezentrum: Aus eins mach zwei – oder nicht

9. September 2015, 18:04
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Das Primärversorgungszentrum Donaustadt kommt vorerst nicht zustande

Wien – In Wien wird es vorerst bei einem Primärversorgungszentrum (PHC) bleiben. Heißt es jedenfalls aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Das zweite geplante PHC hätte in unmittelbarer Nähe zum Donauspital eröffnet werden sollen. Drei Anläufe hat man bislang unternommen, jetzt wurde das Projekt auf Eis gelegt, heißt es auf Anfrage des STANDARD. Es habe sich kein Bewerber gefunden, der die Anforderungen erfüllen kann. Verantwortlich dafür sei die Ärztekammer, die auch für die Ausschreibung zuständig war.

Deswegen sei das PHC-Gesetz, wie es Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) plant, dringend notwendig, um Rechtssicherheit für die Ärzte zu schaffen. Denn Pilotprojekte seien nur auf fünf Jahre dimensioniert.

"Wir schreiben das sofort wieder aus"

In der Wiener Ärztekammer hält man vom Gesetzesplan bekanntlich wenig. Auch die weitere Vorgehensweise in Sachen Versorgungszentrum Donauspital stellt sich aus ihrer Sicht anders dar. Zwar sei die Ausschreibung des Primärversorgungszentrums Aufgabe der Standesvertretung, die inhaltliche Ausgestaltung sei allerdings gemeinsam mit der Wiener Gebietskrankenkasse erfolgt.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres will im Gespräch mit dem STANDARD nichts vom Projektende wissen: "Wir schreiben das sofort wieder aus." Und zwar Anfang nächsten Monats. Schließlich möchte man ja wissen, "wie das funktioniert". Diesmal war die Realisierung des PHC übrigens daran gescheitert, dass sich nur zwei statt der erforderlichen drei Kollegen zur Zusammenarbeit gemeldet hätten.

"Kampfansage"

Den Vorwurf, die Kammer betreibe mit ihrer angedrohten (und mehr als unrealistischen) Aufkündigung des Gesamtvertrags Blockade und Klientelpolitik, kontert Szekeres so: "Dass das Thema eine Kampfansage an die Ärztekammer ist, sollte sich durchgesprochen haben." Dabei handle man stets "im Interesse der Patienten". Und für die fürchtet Szekeres unter anderem, dass Hausärzte, die bereits jetzt "zum Sozialtarif arbeiten", mit den geplanten leichter kündbaren Einzelverträgen noch mehr in den Wahlarztbereich wandern könnten. Zudem fürchtet er um den wohnortnahen Hausarzt. (Marie-Theres Egyed, Karin Riss, 10.9.2015)

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