Tetron-Prozess: "Pimperlsachen" und volle Hosen

9. September 2015, 17:35
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Fragen zu seinen geheimen Leistungen beim Blaulichtfunk "Tetron" parierte "Berater" Alfons Mensdorff-Pouilly im Untreueprozess sehr leger: Ein Waffenhändler in der Telekom wäre nicht gut gewesen, "meine Alte" war ja in politischer Funktion

Wien – Als der Gerichtssachverständige Georg Jeitler im Untreueprozess um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Blaulichtfunk Tetron zum wiederholten Mal nachfragte, wie man sich die Kooperation zwischen der Telekom Austria (TA) und ihrem "Berater" Alfons Mensdorff-Pouilly vorzustellen hat, verlor Auftraggeber Rudolf Fischer die Nerven: "Wie oft soll ich es noch sagen? Es geht um ein persönliches Beziehungsgeflecht. Das kann man nicht in Stunden und Tagen abrechnen. Mensdorff war ein Informationsmakler, mehr kann ich dazu nicht sagen", knurrte der vormalige TA-Vorstandsdirektor.

Dass für 1,1 Millionen Euro Honorar, das Mensdorff erst fünf Jahre nach Leistungserbringung über seine in Budapest domizilierte MPA Handelsgesellschaft überwiesen wurde, weder Tätigkeitsberichte, Termine noch Leistungsnachweise angelegt wurden, sollte nicht verwundern. Denn die "Marktbeobachtung" habe "viele Pimperlsachen" zutage befördert, die hätten den TA-Festnetz-Chef aber nicht interessiert.

"Deutsche Telekom oder sonstige Nudeldrucker"

Ein Akquisitionsobjekt, das Fischer im Vorstand hätte vorlegen wollen, war nicht dabei. Dafür aber Informationen über Märkte in Südosteuropa und Coaching, die es ihm erlaubten, die Angaben der expansionsfreudigen TA-Mobilfunker zu plausibilisieren. Die Stimmung im TA-Vorstand war damals von Misstrauen geprägt – deshalb auch die Geheimhaltung. "Ein Waffenhändler in der Telekom wäre nicht gut gekommen, meine Alte war ja in politischer Funktion", erklärte der Ehemann von Exgesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP).

Sein erster Auftrag sah jedenfalls das Gegenteil von Akquisition vor: Die TA wollte raus aus dem Blaulichtfunkprojekt "Tetron" des Innenministeriums, für das sich Alcatel, Motorola und TA als Betreiberkonsortium formiert hatten. Mensdorff sollte herausfinden, ob die TA "Brösel kriegen" würde, wenn sie ihren Drittelanteil abgibt. "Das wollte Alcatel nicht", sagt Mensdorff, "die haben die Hosen voll gehabt".

Dank Mensdorffs Intervention war schnell geritzt, was der für Technik zuständige Fischer "ohne Kontakte zu Motorola" nicht einmal versucht hatte: Der US-Telekomausrüster nahm 70 Prozent und nahm keinen alternativen Telekombetreiber herein – und der TA waren 80 bis 100 Mio. Euro an Umsatz sicher. Patriotisch die Herangehensweise: "Bei Tetron sollten Rettung, Polizei dabei sein. Da wer'ma doch nicht die Deutsche Telekom oder sonstige Nudeldrucker hineinlassen." (ung, 10.9.2015)

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