Geschichte am Heldenplatz

Einserkastl9. September 2015, 17:29
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Zurzeit oszilliert der Platz zwischen Parkplatz und Hundezone

1992 veranstaltete eine Gruppe aus der Zivilgesellschaft ein "Konzert für Österreich" auf dem Heldenplatz als Zeichen gegen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit. Der Nobelpreisträger und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel sprach vor 60.000 vom "Führerbalkon" der Neuen Burg, von dem Adolf Hitler 1938 den "Anschluss" verkündet hatte. Im Aufzug dorthin stutzte Wiesel – auf einer alten Tafel stand: "Dieser Aufzug ist für sechs Personen und einen Führer zugelassen."

Das Konzept für das offizielle "Haus der Geschichte" in der Neuen Burg sieht eine Einbeziehung des "Führerbalkons" für das Publikum vor (wohl ohne Aufzugführer). Die Gefahr, dass Touristen dort Selfies machen ("Adolf and me"), ist gegeben. Doch kann man das "Haus der Geschichte" am Heldenplatz als endgültige geistige Wiedereroberung dieses belasteten Ortes ansehen. Dabei wäre eine Neugestaltung des ganzen Heldenplatzes möglich, der zurzeit so zwischen Parkplatz und Hundezone oszilliert.

Es gibt auch andere plausible Orte für ein solches Haus. Doch der Heldenplatz ist ein zentraler Geschichtsort, nicht nur wegen 1938. Dort fand auch 1993 das "Lichtermeer" gegen Ausländerhass mit über 200.000 Teilnehmern statt.

Fußnote: Im anschließenden Teil der Hofburg findet auch der Ball der schlagenden (FPÖ-)Burschenschafter statt. Die wollen mit einer alten Ideologie in modernem Gewand die neue Geschichte schreiben. (Hans Rauscher, 9.9.2015)

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