Phytoplankton an der Entstehung von Wolken beteiligt

12. September 2015, 16:23
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Nicht nur Rußpartikel aus Auto- und Industrieabgasen können die Bildung von Wolken anregen, sondern auch Meeresalgen, zeigt eine aktuelle Studie

Leeds/Wien – Wolken bestehen aus flüssigen und/oder gefrorenen Wasserteilchen. Letztere entstehen durch winzige Partikel mineralischer oder biologischer Herkunft, die in der Atmosphäre als Eiskeime, "ice nucleating particles (INPs)" wirken können. Eiskeime beeinflussen nicht nur die Lebensdauer von Wolken, oder wieviel Regen, Hagel oder Schnee sie produzieren: Da sie Sonnen- und Wärmestrahlung anders streuen als flüssiges Wasser, sind sie auch von Bedeutung für das globale Klima.

Zum ersten Mal konnte nun in einer im Fachblatt "Nature" erschienenen Studie nachgewiesen werden, dass auch Meereslebewesen, genauer gesagt Phytoplankton, an der Entstehung von Eiskeimen beteiligt ist: "Wenn große Wellen brechen entsteht ein Sprühnebel, der nebst Meerwasser auch mikroskopisch kleine Algenpartikel mit in die Atmosphäre treibt. Diese winzigen Überreste von Phytoplankton können dann als Eiskeime wirken", erklärt Studienleiter Theo Wilson von der Universität Leeds.

Bedeutung am stärksten in küstenfernen Meeresregionen

Ein internationales Team von Wissenschaftern hat in den Sommern 2013 und 2014 die oberen Wasserschichten im Arktischen Ozean, im West-Atlantik und im Nord-Pazifik beprobt und diese Umweltdaten mit globalen Computermodellen der Atmosphäre verglichen. Durch diesen direkten Vergleich konnten die Forscher herausfinden, dass der Einfluss von Phytoplankton auf die Bildung von Eiskeimen in polaren und anderen küstenfernen Ozeangebieten am stärksten war.

Koautor Benjamin Murray sieht in den neu gewonnenen Erkenntnissen einen wichtigen Grundstock für zukünftige Klimamodelle: "Das Wissen um die Quellen und die globale Verteilung jener Partikel, die Eiskeime bilden können, wird uns helfen, das zukünftige Klima besser vorhersagen zu können."

Präzisere Klimavorhersagen sind vor allem für die polaren Regionen von Bedeutung, da sich das Klima an den Polen wesentlich rascher ändert als an allen anderen Orten unseres Planeten. "Durch das kontinuierliche Abschmelzen der arktischen Eiskappe stehen der Atmosphäre dort mehr offene Meeresflächen zum Austausch zur Verfügung. Diese neue Quelle mariner Partikel wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen", so Murray. (red, 12.09.2015)

  • Verschiedene Vertreter marinen Phytoplanktons.
    foto: karl bruun, ap

    Verschiedene Vertreter marinen Phytoplanktons.

  • Ein Teil der Proben wurde mittels ferngesteuerter Miniboote gesammelt.
    foto: university of leeds

    Ein Teil der Proben wurde mittels ferngesteuerter Miniboote gesammelt.

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