Onlineshop: Honig aus Nachbars Garten im Kuvert

10. September 2015, 14:13
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Das Münchner Start-up Nearbees will den Honigverkauf für Imker erleichtern

Obwohl sie so klein ist, ist die Biene das drittwichtigste Nutztier der österreichischen Landwirtschaft. Derzeit gibt es hierzulande mehr als 370.000 Bienenvölker und 25.277 Imker, zeigt eine Statistik des Österreichischen Imkerbunds. Knapp 300 Imker produzieren auf Erwerbsbasis Honig, die übrigen sind Hobbyimker mit wenigen Bienenvölkern.

Das führt dazu, dass nur 41 Prozent des Honigs aus Österreich stammen. Der Rest wird importiert – auch aus Nicht-EU-Ländern. "In China gibt es andere Restriktionen gegen Pestizide oder genetisch veränderte Pflanzen. Diese Rückstände sind dann im Honig", sagt Viktoria Schmidt, Gründerin des Münchner Start-ups Nearbees.

Um die regionalen Imker und deren Honig zu fördern, betreibt das Start-up eine Internetplattform, auf der Honig aus der Region gekauft und verkauft werden kann – zu fairen Preisen. Etwa neun Euro kostet ein halbes Kilo Honig, 15 Prozent bekommt das Start-up als Provision. "Die Imker wollen Wertschätzung für ihre Arbeit. So haben sie einen Anreiz, sich mehr Bienen zuzulegen", sagt Schmidt.

Honig im Briefkasten

Besonders Hobbyimkern hilft die Plattform. Diesen fehlt oft die Zeit, ihren Honig auf dem Markt zu verkaufen, da sie hauptberuflich arbeiten. Daher ist die Plattform ihr Vertrieb. Die Imker tragen sich auf einer Landkarte ein und geben an, welchen Honig sie verkaufen. Die Kunden suchen ihre Adresse, und auf der Karte erscheinen die Imker in ihrer Umgebung. Der Honig wird dann per Post verschickt.

Dafür hat die studierte Produktdesignerin Schmidt eine flache Verpackung entwickelt, in die der Honig eingefüllt wird: Innen ist sie mit Kunststoff und Aluminium beschichtet, außen ist sie aus Papier. Bestellt man anderswo Honig, kommt dieser im Glas, das schwer und zerbrechlich ist. "Dadurch sind die Versandkosten sehr hoch. Unsere Verpackung entspricht der gängigen Briefgröße, wodurch der Versand günstig ist."

Nearbees besteht derzeit nur in Deutschland. "Es bestellen auch Kunden aus Österreich und der Schweiz, was nicht in unserem Sinne war", gibt Schmidt zu. Daher soll die Plattform noch heuer auf Österreich und die Schweiz ausgeweitet werden. Für Christian Boigenzahn von der Interessenvertretung Biene Österreich ist Nearbees nichts Neues: "Solche Plattformen gibt es in Österreich von den Imkerverbänden. Das Neue ist die Verpackung."

Ebendiese und der einfache Verkauf sind für Jakob Schmied ein Argument, seinen Honig in Zukunft über Nearbees zu verkaufen. Der 27-Jährige betreibt einen Hof am Beerenberg in Linz, wo er Heidelbeeren anbaut. Die Bienen liefern ihm nicht nur Honig: "Durch sie kann der Ertrag bei Heidelbeeren um bis zu 30 Prozent gesteigert werden." (Selina Thaler, 10.9.2015)

  • Regionale Imker sollen durch die Plattform Nearbees gefördert werden.
    foto: dpa / fredrik von erichsen

    Regionale Imker sollen durch die Plattform Nearbees gefördert werden.

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