Die verzweifelte Suche nach dem Zins

10. September 2015, 11:18
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Niedrigzinsen bereiten Österreichern Kopfschmerzen. Höhere Zinsen im Ausland sind nicht ohne Risiko zu haben

Wien – Kleinen Sparern geht es in Österreich derzeit wie einem Eichhörnchen mit Gedächtnisverlust. Sie legen sich regelmäßig etwas zur Seite, am Ende ist ein Teil davon aber schlicht und einfach weg. Im Fall der Sparer sind dafür nur die sehr niedrigen Zinsen und die im Vergleich mit anderen Ländern hohe Inflation verantwortlich. Diese hat nämlich nach nationaler Berechnungsmethode im Juli 1,2 Prozent erreicht.

Das ist die Latte, die es für Sparer zu erreichen gilt, um nicht Kaufkraftverluste zu erleiden. Keine leichte Aufgabe in einem Zinsumfeld, das sich immer stärker der Nulllinie angenähert hat. Es gibt aber einige Online-Portale, die höhere Zinsen anbieten – sofern Sparer gewillt sind, dafür ein etwas höheres Risiko zu schultern.

Ausweg aus der Zinsfalle

Ihre Lösung: das Geld ins Ausland bringen. savedo.at bietet Sparern etwa 1,6 Prozent für Euroeinlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr. Das Geld wird an die tschechische J&T Banka vermittelt. Zum Vergleich: Bei der Bank Austria bekommt man 0,55 Prozent, bei der DenizBank 1,25 Prozent. "Für Kunden ist das Angebot kostenlos", sagt Geschäftsführer Christian Tiessen, "Savedo erhält nur eine Vermittlungsprovision von der Partnerbank." Das deutsche Portal weltsparen.de ist deutlich größer und bietet mehrere Partnerbanken. Aber auch hier sind die Banken mit den höchsten Zinssätzen die J&T Banka und die bulgarische FiBank.

"Die J&T Banka hat eine schlechtere Bonität, das Risiko eines Zahlungsausfalls ist größer", sagt Klaus Schreiner vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Dazu kommt: In der EU gebe es zwar überall eine Einlagensicherung, "die Qualität kann derzeit aber nicht abgeschätzt werden", so Schreiner. Ob man im Pleitefall sein Geld wieder bekommt, ist nicht ganz sicher.

Noch deutlich höhere Zinsen lassen sich in Ländern wie der Türkei erzielen. Mit einem täglich fälligen Fremdwährungskonto bekommt man bei dem Online-Portal bankdirekt.at knapp acht Prozent an Zinsen, inklusive eines nicht unbeträchtlichen Wechselkursrisikos.

Erste Bank und Bank Austria bieten Fremdwährungskonten für Sparer erst gar nicht an. "Wir raten zu anderen Anlageformen wie etwa Fonds", heißt es etwa aus der Bank Austria. Auch Konsumentenschützer raten ab: "Ähnlich wie bei den Frankenkrediten können erhebliche Wechselkursrisiken und dadurch Verluste entstehen", sagt VKI-Experte Schreiner. (Andreas Sator, 10.9.2015)

  • Zinstourismus als Geschäftsmodell: Anbieter versprechen höhere Eurozinsen und vermitteln Geld etwa an tschechische Banken weiter.
    epa

    Zinstourismus als Geschäftsmodell: Anbieter versprechen höhere Eurozinsen und vermitteln Geld etwa an tschechische Banken weiter.

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