Sorge um Entwicklung: China zwischen Wohl und Wehe

10. September 2015, 08:00
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Anleger besorgt, Raiffeisen: Kein Konjunktureinbruch

Wien/Frankfurt – Die Sorge um die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas hat auch an den Börsen der Industrieländer in den vergangenen Wochen Kratzer hinterlassen. Zu stark würde sich aus Investorensicht ein sogenanntes Hard Landing, also gewissermaßen das unkontrollierte Abschmieren der Wachstumsraten, der globalen Konjunkturlokomotive China auf die westlichen Volkswirtschaften auswirken. Das spiegelt auch der vom Forschungsinstitut Sentix erhobene Gesamtindex für die Konjunktur im Euroraum wider: Die Zukunftsaussichten für den Euroraum wurden nur noch mit 9,2 nach zuvor 12,3 Punkten beziffert – der tiefste Stand seit Dezember 2012.

Einmaleffekte bremsen China

Der Sentix-Index für die Region Asien (ohne Japan) fiel um mehr als zehn Zähler in den negativen Bereich auf minus 4,3 Punkte. Das ist der tiefste Wert seit Mai 2009, als die Weltwirtschaft noch an den Folgen des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers zu leiden hatte. "Die Investoren sehen die Eintrübung in China sowie in den übrigen Emerging Markets als eine signifikante Belastung für die Konjunktur der Eurozone", kommentiert Sentix-Analyst Sebastian Wanke.

Weniger dramatisch sehen die Experten von Raiffeisen Research die Lage, die in einer Spezialpublikation zur Konjunktur in China für das Reich der Mitte nicht von einem Hard Landing ausgehen. Allerdings führe der Umbau der Volkswirtschaft zu einer vom Binnenkonsum getriebenen Ökonomie zu geringeren Wachstumsraten, die von Einmaleffekten verstärkt worden sei. Dabei handelt es sich laut den Analysten um durch Taifune bedingte schlechte Wetterbedingungen, zudem seien 12.000 Fabriken vorübergehend geschlossen worden, um für die 70-Jahr-Feierlichkeiten im Gedenken an die Beendigung des Zweiten Weltkriegs einen smogfreien Himmel zu gewährleisten.

Nicht nur wegen des Auslaufens dieser Effekte ist für die Raiffeisen-Analysten eine wirtschaftliche Stabilisierung nahe: "Außerdem sollten die schon erfolgten Stützungsmaßnahmen und geldpolitische Lockerungsschritte allmählich in die Realwirtschaft durchsickern." Zudem sollten die anhaltend hohen Lohnzuwächse den Konsum beflügeln.

Dennoch tragen die Analysten der jüngsten Abschwächung Rechnung und reduzieren ihre Wachstumsprognosen leicht auf 6,5 Prozent im nächsten Jahr und sechs Prozent 2017. "Diese langfristige Wachstumsverlangsamung ist aber sowohl für die chinesische Wirtschaft als auch für weiter fortgeschrittene Volkswirtschaften wie Deutschland oder die USA völlig unproblematisch", prognostizieren die Raiffeisen-Experten. (aha, 10.9.2015)

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