Fischers Iran-Besuch: Wirtschaft sichert sich Geschäfte

9. September 2015, 15:20
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Leitl: "Wenn man das jetzt nicht macht, macht jemand anderer das Geschäft"

Teheran – Die ganze Iran-Reise über hatte sich Bundespräsident Heinz Fischer schon bemüht, dem wirtschaftlichen Aspekt einen kulturellen gegenüberzustellen: Die ungewöhnlich große, 26-köpfige Kultur- und Wissenschaftsdelegation sei neben den hohen politischen Treffen ein Beweis dafür, dass die Reise nicht – wie Kritiker meinen – ausschließlich dem wirtschaftlichen Gewinn gewidmet sei, sondern auch einem Versuch der Annäherung. Nun sollte der Mittwoch vor allem im Zentrum der Künste und der Wissenschaft stehen.

Der reine Kulturaustausch war es dann aber auch wieder nicht: Insbesondere aus dem Wirtschaftsministerium wurde vehement darauf hingewiesen, dass der mitgereiste Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Mittwoch auch im Namen österreichischer Universitäten – etwa der Uni Wien und der Montanuniversität Leoben – insgesamt 13 "Memoranda of Understanding" mit iranischen Bildungseinrichtungen, aber auch Unternehmen unterzeichnete. Dabei geht es etwa um Pläne zum Studierendenaustausch, aber auch um in Teilen durchaus geschäftliche Joint Ventures.

Geschäfte sichern

Schon am Vortag hatten Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz gemeinsam mit ihren iranischen Gegenübern vier Memoranden unterfertigt. Grund für den ungewöhnlichen Modus: Wegen der vermutlich noch bis mindestens Jänner 2016 geltenden Sanktionen ist es schwierig, bindende Verträge zu unterschreiben. Daher also die Memoranda of Understanding, die Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bei einem Termin mit Journalisten am Dienstagabend "verdichtete Absicht" nannte – "wenn man das jetzt nicht macht, dann macht jemand anderer das Geschäft".

Für Fischer stand nach einem morgendlichen Besuch beim Vorsitzenden des Schlichtungsrats, Ali Akbar Hashemi Rafsandjani, tatsächlich das kulturelle Programm im Mittelpunkt. Nach einem frühen Termin in der Teheraner Nationalbibliothek (einem Museum für Kalligrafien) ging die Reise nach Isfahan, wo die Regierungsdelegation mit dem Gouverneur Rassoul Zargarpoor zusammentraf und der Naghshe Jahaan (Muster-der-Welt-Platz) sowie Führungen durch die Lotfallah-Moschee und die Imam-Moschee – allesamt Unesco-Weltkulturerbe – auf dem Programm standen. (Manuel Escher aus Teheran, 9.9.2015)

  • Bundespräsident Heinz Fischer (li.) mit dem Vorsitzenden des iranischen Schlichtungsrates, Ali Akbar Hashemi Rafsandjani.
    foto: foto: apa/roland schlager

    Bundespräsident Heinz Fischer (li.) mit dem Vorsitzenden des iranischen Schlichtungsrates, Ali Akbar Hashemi Rafsandjani.

  • Auch ein Besuch im Malek-Museum in Teheran stand auf dem Programm der Reise.
    foto: foto: apa/roland schlager

    Auch ein Besuch im Malek-Museum in Teheran stand auf dem Programm der Reise.

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