"Teenager werden Mütter" auf ATV: Das ist jetzt aber schon arg!

9. September 2015, 17:15
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ATV greift auch bei der neuen Staffel von "Teenager werden Mütter" tief in die Effektkiste, damit das Publikum den Inhalt nicht selbst einordnen muss

Zeitlupe? Check. Überdramatische Musik? Check. Regieanweisungen für das wirklich total echte Leben der Protagonisten? Check. Teenager werden Mütter kann wieder losgehen. Acht neue Folgen hat ATV produziert und zumindest an den Effekten nicht gespart, damit das Vorführen der teils prekär lebenden Jungeltern nicht trist sondern dramatisch wirkt.

Also dürfen sich die Protagonistinnen mit festem Blick in die Kamera vorstellen: "Ich bin Tamara, schwanger, und man will mir mein Kind wegnehmen". Die hinterlegte Techno-Version des "Fluch der Karibik"-Soundtracks hat Tamara beim Dreh hoffentlich nicht gehört. Ansonsten gilt für die Formatcousine von "Saturday Night Fever" und "Bauer sucht Frau": Never change a winning Schema F. Das bedeutet in diesem Fall vor allem: Nur ja keine emotionale Einordnung dem Publikum überlassen. Und wird umgesetzt in Stil und Subtilität eines Kindergartenkindes, das in der Straßenbahn lautstark die Körperfülle von Mitpassagieren kommentiert.

Etwa wenn Sympathieträger Patrick seine Verlobte in einer Rückblende verlässt, weil sie nicht Wäsche gewaschen und Essen gekocht hat: Dann darf seine Mimik noch ein paar Sekunden in gedämpften Farben und Zeitlupe zu Psychohorrormusik spielen ("DAS IST JETZT ABER SCHON ARG!"). Oder wenn Tamara erzählt, wie sie als Kind geschlagen wurde und sich – natürlich in Zeitlupe – eine Träne von der Wange wischt ("TRAURIG!"). ATV greift aber nicht immer so tief in die Effektkiste. Denn wenn die Kamera bei Kristin im Kreißsaal mit dabei ist, wird nur das Allernotwendigste unkenntlich gemacht. Man zeigt ja schließlich die Realität. (Sebastian Fellner, 9.9.2015)

  • "Teenager werden Mütter" auf ATV.
    foto: atv

    "Teenager werden Mütter" auf ATV.

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