Sechs Jahre Frauennetzwerk in der Immobranche

9. September 2015, 14:58
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Der Verein Salon Real hat mittlerweile 150 Mitglieder

Vor sechs Jahren wurde der Salon Real, ein überparteilicher Verein von Frauen in Führungspositionen in der österreichischen Immobilienwirtschaft, gegründet. "Dahinter stand die Überlegung, dass es viele Männer-, aber keine Frauennetzwerke gibt", sagte Gründungsmitglied und Präsidentin Ingrid Fitzek von der Buwog bei der Präsentation einer Zwischenbilanz am Mittwoch.

Mittlerweile ist der Verein auf 150 Mitglieder angewachsen. Und die Nachfrage sei ungebrochen, so Vermessungstechnikerin und Vorstandsmitglied Johanna Fuchs-Stolitzka: "Wir haben mehr Anfragen als wir bewältigen können." Das Netzwerken lebe von der sehr hohen Präsenz bei den Veranstaltungen: Die Mitglieder treffen sich alle zwei Monate zu Vorträgen – die übrigens auch von Männern gehalten werden dürfen – und veranstalten einmal im Jahr eine Studienreise. Auf "Karteileichen" wolle man dabei verzichten, führte Vorstandsmitglied Daniela Witt-Dörring von der Kanzlei Weber & Co aus.

Expertinnen aus bisher kaum vertretenen Bereichen seien jedoch sehr erwünscht – etwa Frauen in Führungspositionen bei großen Baufirmen oder in der öffentlichen Verwaltung.

Angst vor Schritt zurück

Mit dem Verein wolle man das Selbstbewusstsein von Frauen stärken und Frauen in Führungspositionen sichtbar machen, erklärte die Immobilienmaklerin Margret Funk, ebenfalls Gründungsmitglied. Auch "Rückenstärkung" gebe es, Spaß mache das Netzwerk außerdem, so die Vorstandsmitglieder. "Ich habe das Gefühl, dass Frauen oft etwas beweisen müssen, während Männer nach ihrem Potenzial bewertet werden", sagte Vorstandsmitglied Gertrude Schwebisch von der Erste Bank. Auch auf Sprache müsse mehr geachtet werden – etwa wenn erfolgreiche Frauen rasch als "arrogant" oder "nicht immer ganz einfach" beschrieben werden. "So würde man einen Mann nie beschreiben."

Das Resumee nach sechs Jahren Salon Real fiel aber auch positiv aus: Wunder könne man zwar keines bewirken, langsam werde die Immobilienwirtschaft aber weiblicher, urteilte Fitzek: "Ich finde es aber bedenklich, dass viele Junge wieder einen Schritt zurückgehen."

Mentoring-Programm

Denn manche würden angesichts der gläsernen Decke resignieren, so Schwebisch – auch wenn diese laut Funk immer dünner wird. Witt-Dörring ortet gar die Gefahr, dass junge Frauen hart erkämpfte Errungenschaften als selbstverständlich erachten: "Aber wir werden das vermitteln."

Zum Beispiel anhand eines Mentoring-Programms, das der Salon Real nun ins Leben rufen will und mit dem jungen Frauen in der Branche mehr Selbstbewusstsein gegeben werden soll. "Es würde der Immobilienwirtschaft jedenfalls gut tun, wenn in Entscheidungsprozesse mehr Frauen eingebunden werden", so Witt-Dörring. (zof, 9.9.2015)

  • Die gläserne Decke gibt es, auch wenn sie dünner wird, meint man im Salon Real.
    foto: reuters/bobby yip

    Die gläserne Decke gibt es, auch wenn sie dünner wird, meint man im Salon Real.

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