S&P: Österreichs Bankensystem instabil

9. September 2015, 14:01
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Österreichs Institute könnten gezwungen sein zu schrumpfen oder ihre Existenz zu überdenken, meinen Rating-Experten

Wien – Den heimischen Großbanken tun sich in den nächsten Jahren weitere Probleme auf, meinen Rating-Experten: Zu den bestehenden Problemen – zu viele Banken, zu niedrige Erträge, zu hohe und zu starre Kosten – komme jetzt hinzu, dass sich große Banken aus Märkten im Ausland zurückziehen und auf Erträge im Inland angewiesen seien, finden die S&P-Ratingmanager Anna Lozmann und Markus Schmaus.

Die große Schwäche bei praktisch allen österreichischen Instituten sei das Kapital. Hier habe sich die Differenz vor allem bei den Großbanken zu den Mitbewerbern in Europa seit 2014 noch vergrößert, so die Experten am Mittwoch vor Journalisten in Wien.

Das Kapital bleibe überhaupt eine Schwäche für viele europäische Banken, aber Österreich hinke nochmals hinterher. Besonders in der externen Kapitalbeschaffung tun sich österreichische Institute schwer, und auf eine "Gruppenunterstützung" könnte sich theoretisch nur die Bank Austria (via Mailänder UniCredit) verlassen. Die sieht man bei S&P aktuell aber dort auch nicht.

Überkapazitäten

Angesichts der herrschenden Überkapazitäten am österreichischen Bankenmarkt, Ertragsschwächen und ungünstigen Kostenstrukturen, bescheinigen die Ratingexperten dem österreichischen Bankwesen Instabilität. Die anhaltende Niedrigzinsphase schmälere die Erträge noch einmal. Aus Risikomärkten im Osten, die früher lange Jahre auch hohe Erträge brachten, zögen sich Institute zurück, in anderen (etwa Russland) werde abgespeckt.

Mit dem damit wachsenden Druck, Erträge im Inland aufzubauen, steige der Wettbewerbsdruck hierzulande noch einmal. Deshalb könnten, so schätzt S&P, einige vielleicht in Schwierigkeiten geraten, genügend Erträge zu erwirtschaften, um die Kosten abzudecken oder Kapital aufzubauen. Auch die hohe Bankensteuer wird als Hürde gesehen, Kapitalpolster aus eigener Kraft aufzufüllen.

Pleiten oder Ausfälle von österreichischen Banken würden aber nicht erwartet. Der Bankenmarkt sei "instabil nicht im Sinne, dass wir Pleiten erwarten", sagte Lozmann. "Wir sehen, dass es für Banken schwieriger wird". Es könnten Institute gezwungen sein zu schrumpfen oder ihre Existenz zu überdenken. Die neuen regulatorischen Vorschriften sorgten dafür, dass die Regulatoren im Ernstfall viel früher einschreiten. Eine Konsolidierung (also eine relevante Fusionswelle) wird schon lang erwartet. Da habe sich aber bisher nicht viel getan. (APA, 9.9.2015)

  • Dass Österreich Überkapazitäten am Bankenmarkt hat ist hinreichend bekannt.
    foto: reuters/foeger

    Dass Österreich Überkapazitäten am Bankenmarkt hat ist hinreichend bekannt.

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