Sektionschef: Frauenquoten an Unis "das Effektivste"

9. September 2015, 13:40
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Experten: Thema Geschlechtergerechtigkeit im außeruniversitären Bereich noch zu wenig angekommen

Wien – Frauenquoten im Hochschulbereich seien als Mittel zur Veränderung "nicht das Eleganteste, aber das Effektivste", erklärte Hochschul-Sektionschef Elmar Pichl vom Wissenschaftsministerium Dienstagabend in Wien. Rechtliche Vorgaben wären zwar positiv, reichen aber nicht, um in dem "strukturkonservativen" Bereich weiterzukommen, so die Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Eva Blimlinger.

Um das Thema Geschlechtergerechtigkeit tatsächlich voranzubringen, müssten sich Institutionen durchgehend und immer wieder neu damit auseinandersetzen, so Blimlinger. An heimischen Universitäten gebe es etwa mit den Arbeitskreisen für Gleichbehandlung bereits wichtige Akteure, "die müssen sich aber auch etwas trauen", wenn es etwa um Besetzungen von Professorenstellen gehe. Obwohl an Unis noch viele Männer in hohen Positionen sich kaum um das Thema kümmern, tue sich dort trotzdem viel, erklärte Blimlinger. Für den außeruniversitären Bereich treffe das aber meistens nicht zu, so der Tenor in dem vom Wissenschaftsministerium organisierten "Science Talk".

"Kaum jemand will in Gremien"

Wichtig sei, dass Frauen auch verstärkt in Entscheidungsgremien an Hochschulen federführend mitreden, so die Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien, Sabine Seidler. Das koste allerdings viel Zeit, die dann für Forschung und Lehre fehlt. Man biete deshalb "Freisemester" für Frauen, die sich hier engagieren, an. An Blimlingers Haus ist dieses Engagement aber weniger ein Frage des Geschlechts: "Bei uns will eigentlich kaum jemand in die Gremien – egal ob Frau oder Mann."

Auch in der Forschungsförderung habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert, "trotzdem stellen Frauen bei uns aber nur 30 Prozent der Förderanträge", erklärte die interimistische Leiterin des Wissenschaftsfonds FWF, Christine Mannhalter. Über die Einführung von Programmen, die nur für Frauen als Antragstellerinnen offen stehen, habe man lange und kontrovers diskutiert und sich schließlich dafür entschieden. Vor allem die Frage der Qualität des Forschungsantrages als einziges Kriterium für die Mittelvergabe stand damals im Mittelpunkt. Dieser Punkt würde allerdings erfüllt und mit den Programmen gelinge es nachweislich, Frauen in die Forschung zu bringen und auch zu halten, erklärte Mannhalter. (APA, 9.9.2015)

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