Kollektive Spielmuster als Ausdruck der kristallinen Handschrift

Infografik9. September 2015, 15:51
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Österreich ist glücklich. Das Team von Marcel Koller hat das Spiel gegen Schweden mit 4:1 gewonnen und sich für die EM in Frankreich qualifiziert

Die österreichische Performance beim entscheidenden 4:1-Auswärtserfolg gegen Schweden in Solna stellt sich als resümierende Verdichtung der Entwicklung der Mannschaft unter Teamchef Marcel Koller dar. Charakteristisch für die neu erlangte Souveränität war bereits der Verlauf der ersten zehn Minuten, in denen die rotweißrote Equipe den engagiert auftretenden Gegner mit vergleichsweise geringem Ballbesitz zu dominieren und die Weichen auf Sieg zu stellen vermochte.

Mit dem Vorsprung im Rücken etablierten sich rasch jene kollektiven Spielmuster, die sich über die Jahre zu einer kristallinen Handschrift herausgebildet haben.

Strukturbildend wirkte einmal mehr das Dreieck aus Christian Fuchs, Marko Arnautovic und David Alaba auf dem linken Flügel, das sich in der Triade aus Alaba, Zlatko Junuzovic und Arnautovic nahtlos fortsetzte. Bemerkenswert die Reziprozität zwischen Alaba und Junuzovic, die mit Fortdauer der Partie ein zuweilen an das legendäre Barcelona-Duo Xavi-Iniesta gemahnendes Kurzpassspiel aufzogen, das immer wieder in gefährliche Konter mündete.

Deutlich integrierter als noch im Spiel gegen Moldau zeigte sich Stürmer Marc Janko, der der vor allem zu Beginn des Spieles erbarmungslosen Lufthoheit der schwedischen Defensive tapfer trotzte und unermüdlich "zweite Bälle" für seine spielfreudigen Kumpels zu ergattern versuchte.

Im kollektiven Jubelkreis nach dem vierten Tor kam schließlich jener quasi psychosoziale Aspekt zum Ausdruck, den Marko Arnautovic nach dem Spiel mit dem Wort "Familie" umschrieb und damit souverän das abgedroschene Bild von den "11 Freunden" umschiffte. Nicht grundlos blühen im Verbund des Nationalteams gerade Spieler, die sich – wie etwa der Stuttgarter Martin Harnik – bei ihren Vereinen in Formkrisen befinden, auf nachhaltige Weise auf. (Helmut Neundlinger 9.9.2015)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Ruth Pfosser, Andrea Werdenigg.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Umsetzung für derStandard.at: Markus Hametner

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