Streik: Gericht schickt Lufthansa-Piloten ins Cockpit

10. September 2015, 07:48
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Ein Gericht stoppte den Streik der Lufthansa-Piloten. Nun erwägt die Airline, ihre Klage auf Schadenersatz auszuweiten

Berlin – Es ist eine bekannte Strategie. Vor großen Streiks rufen Arbeitgeber oft noch schnell ein Gericht an, um – wegen möglicherweise unverhältnismäßiger Maßnahmen – Streiks in letzter Minute juristisch zu unterbinden. Meist klappt es nicht, das Recht auf Streik ist ein hohes Gut.

Am Mittwoch jedoch hatte die Lufthansa Erfolg. Das Landesarbeitsgericht Hessen gab einem Eilantrag der Fluggesellschaft statt, verbot den Streik und schickte die Piloten umgehend in ihre Cockpits zurück. Diese hatten sich für den Mittwoch – den zweiten Tag der 13. Streikwelle seit eineinhalb Jahren – eigentlich vorgenommen, Kurz- und Mittelstreckenflüge lahmzulegen.

Die Lufthansa hatte vor Gericht argumentiert, der Streik der Piloten sei nicht rechtens, weil der Kampf um neue Pensionsregelungen nur vorgeschoben sei. In Wirklichkeit aber wehrten sich die Flugzeugführer gegen das Wings-Konzept, also die Auslagerung von Personal in eine Billigairline. Das aber sei eine Entscheidung des Managements.

In erster Instanz hatte die Lufthansa am Dienstagabend vom Arbeitsgericht Frankfurt nicht Recht bekommen. Doch das Landesarbeitsgericht Hessen drehte das Urteil um. Der Ausbau der Wing-Schiene sei "kein tariflich regelbares Ziel der Gewerkschaft", der Streik somit "rechtswidrig", heißt es in der Begründung. Die Pilotenvereinigung Cockpit wurde damit auf dem falschen Fuß erwischt. "Wir sind vollkommen überrascht", erklärte Vorstand Markus Wahl.

Sonderflugplan blieb

Doch sie mussten ihren Streik sofort abbrechen. Die Lufthansa allerdings hielt an ihrem Sonderflugplan fest, um nicht noch mehr Verwirrung zu schaffen. Zudem hätte sie den normalen Flugplan ohnehin nicht von einer Minute auf die andere wieder aufnehmen können. Die Airline hatte vorab für den Mittwoch den Ausfall von insgesamt 1.000 von 3.000 Kurz- und Mittelstreckenflügen bekanntgegeben, auch die Strecken zwischen Wien und Frankfurt beziehungsweise München waren betroffen. Am Donnerstag trat wieder der normale Flugplan in Kraft.

Nun prüft die Lufthansa eine Ausweitung der Schadenersatzklage gegen die Vereinigung Cockpit. Die bestehende beläuft sich auf 60 Millionen Euro. Europas größte Fluglinie ist überzeugt, die Piloten hätten bei der ersten Runde im April 2014 nicht rechtmäßig gestreikt, weil damals zumindest bei der Lufthansa-Tochter Cargo der angegriffene Tarifvertrag noch gültig war. Es könnte sein, dass auf diese Summe noch etwas draufkommt, schließlich verfügt die Lufthansa nun ein Urteil darüber, dass der Streik vom Mittwoch nicht rechtmäßig war.

Die Gewerkschaft Cockpit will jetzt ihre Streikstrategie überdenken. "Wir werden das Urteil analysieren und dann sehen, welche Konsequenzen wir daraus für den Fortgang des Arbeitskampfs ziehen", sagte Wahl. Vor der Entscheidung hatte die Gewerkschaft damit gedroht, wöchentlich zu streiken, um ihrer Forderung noch mehr Nachdruck zu verleihen.

Offiziell streiken die Piloten, weil sie sich gegen Einschnitte bei der Pensionsversorgung wehren. Doch sie kämpfen auch gegen die Strategie des Managements, die in Wien ansässige Billigairline Eurowings auf- und auszubauen. Dort sollen die Gehälter um rund 40 Prozent unter denen der Lufthansa-Piloten liegen. (Birgit Baumann aus Berlin, 10.9.2015)

  • Nach dem Gerichtsurteil mussten die Lufthansa-Piloten am Mittwoch in ihre Cockpits zurück. Der Sonderflugplan jedoch blieb zunächst bestehen, da der Betrieb nicht gleich umgestellt werden konnte.
    foto: imago/wolterfoto

    Nach dem Gerichtsurteil mussten die Lufthansa-Piloten am Mittwoch in ihre Cockpits zurück. Der Sonderflugplan jedoch blieb zunächst bestehen, da der Betrieb nicht gleich umgestellt werden konnte.

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