Teak Holz bringt Insolvenzantrag ein

9. September 2015, 16:40
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Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung angestrebt

Wien/Linz – Die Teak Holz International AG hat heute einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht Linz eingebracht. Das Unternehmen hatte darauf gesetzt, dass in Costa Rica Teakholzbäume angepflanzt werden und aus deren Wachstum die Investitionskosten gedeckt und Gewinne gemacht werden. 2014 stellte sich aber heraus, dass es weniger Bäume gab als angenommen.

Die Inventur 2014 ergab, dass seit 2006 einerseits eine geringere Fläche bepflanzt, andererseits die Bestandsdichte geringer als in den Bilanzen angeführt war. Nun sitzt Teak Holz auf einem Schuldenberg von über 30 Mio. Euro. Ende August konnte das börsennotierte Unternehmen eine fällige Wandelschuldverschreibung aus dem Jahr 2010 nicht bedienen. Seit Sonntag stand die Insolvenz im Raum.

Das Unternehmen selbst schreibt in einer Aussendung, "nach Erkenntnissen der Gesellschaft, die im Rahmen mehrerer Sachverhaltsdarstellungen an die WKStA (Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, Anm.) übermittelt wurden, war im Unternehmen von Anfang an die geringere bepflanzte Fläche und die geringere Bestandsdichte bekannt. Im internen Berichtswesen wurde bereits 2008 die Netto-Pflanzfläche mit weniger als 1000 ha angegeben."

Ungereimtheiten

2009 sei ein Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfer PwC Linz auf Ungereimtheiten in der Ermittlung der Bestandsdichte gestoßen. Es sei den damals handelnden Personen aber "offenbar" gelungen, diese Bedenken auszuräumen. Auch habe der damals von der Gesellschaft engagierte costa-ricanische Sachverständige beim Bekanntwerden der Bedenken des Prüfers "sinngemäß gemeint, 'jetzt haben sie euch drangekriegt'", so die Teak-Holz-Aussendung von Mittwoch.

Und weiter: "Es erstaunt, dass die WKStA dem Vernehmen nach bislang keine Untersuchung zu den inkriminierten Vorgängen initiiert hat, insbesondere keinen Verstoß gegen Par. 255 AktG erkennt." Dieser regelt Strafbestimmungen für falsche Informationen über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

Investorenkonsortium soll Quote finanzieren

Bei der Insolvenz von Teak Holz soll offenbar ein Investorenkonsortium die vorübergehende Fortführung und die Sanierungsplanquote finanzieren. Laut dem Insolvenzantrag würden bisherige Gespräche des Unternehmens mit Investoren im Vorfeld darauf hindeuten, berichtete der KSV.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Linzer Rechtsanwalt Gerhard Rothner bestellt. Die erste Gläubigerversammlung und die allgemeine Prüfungstagsatzung wurde für den 10. November 2015 anberaumt. Gut ein Monat später, am 18. Dezember, sollen die Gläubiger dann über den Sanierungsplan beraten und abstimmen. Forderungen können bis zum 27. Oktober eingereicht werden.

Die Firma wurde mit Errichtungserklärung vom 18.1.2006 als Teak Holz Invest GmbH gegründet und mit Generalversammlungsbeschluss vom 26.1.2007 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Beim Börsengang Ende März 2007 lag der Ausgabekurs bei 9 Euro, am Mittwoch war die Aktie an der Wiener Börse nur noch 0,08 Euro wert.

47 Prozent der Aktien sind in Streubesitz, rund 30 Prozent gehören der Tecalux Capital S.A. mit Sitz in Luxemburg. Die ursprünglichen oberösterreichischen Eigentümer, der Freistädter Gärtner Klaus Hennerbichler und der Linzer Bauunternehmer Erwin Hörmann, halten nur noch weniger als ein Viertel. Die Hörmann Privatstiftung besitzt laut Kreditschützern aktuell rund 19 Prozent, Hennerbichler rund 4 Prozent der Teak-Holz-Aktien. (APA, 9.9.2015)

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