Kakao kann Blutdruck senken

9. September 2015, 11:57
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Zwei aktuelle Studien legen nahe, dass Flavanole aus Kakaobohnen helfen können, die kardiovaskuläre Gesundheit zu erhalten

Düsseldorf – Flavanole sind sekundäre Pflanzenstoffe der Kakaobohne, die zur Gruppe der Polyphenole gehören. Zwei aktuelle Studien, die in den Fachmedien "Age" und dem "British Journal of Nutrition" (BJN) veröffentlicht wurden, zeigen, dass Kakao-Flavanole die Herz- und Gefäßfunktion verbessern und die Beanspruchung des Herzens während des Alterungsprozesses verringert.

Mit zunehmendem Alter werden Blutgefäße weniger flexibel und dehnungsfähig, das Risiko für Bluthochdruck steigt. Die Steifigkeit der Arterien und die schlechtere Gefäßfunktion sind eng verknüpft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der weltweit häufigsten Todesursache. "Mit der älter werdenden Bevölkerung wird die Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen unweigerlich steigen", warnt Malte Kelm, Studienleiter und Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

"Daher ist es wichtig, die Schlüsselrolle von Ernährung und ihren Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko zu verstehen. In den Studien wollten wir untersuchen, welchen Einfluss Flavanole enthaltende Lebensmittel auf den möglichst langen Erhalt der kardiovaskulären Gesundheit haben können", ergänzt der Mediziner.

Wirkstoffe nicht in Schokolade enthalten

Flavanole sind in vielen alltäglichen Lebensmitteln vorhanden – etwa in Äpfeln, Trauben, Teeblättern und Kakaobohnen. In den herkömmlichen Produktionsprozessen, wie bei der Herstellung von Schokolade, werden die wertvollen Wirkstoffe allerdings meistens zerstört.

Die zwei randomisierten Doppelblind-Studien bauen auf früheren Ergebnissen auf, die eine Erhöhung der Elastizität der Blutgefäße und eine Senkung des Blutdrucks gezeigt hatten. Die meisten dieser Untersuchungen wurden jedoch an Personen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko durchgeführt, wie Rauchern, Hypertonikern und Menschen mit koronarer Herzerkrankung. Die beiden aktuell publizierten Studien untersuchten hingegen die unterschiedlichen Effekte der Flavanole auf Blutgefäße gesunder Probanden und Menschen mit geringem Risiko bzw. ohne Hinweise auf eine kardiovaskuläre Erkrankung.

Ergebnisse

"Wir konnten feststellen, dass die Einnahme von Flavanolen wichtige Parameter der kardiovaskulären Gesundheit auch bei Gesunden signifikant verbessert", erklärt Malte Kelm. Besonders deutlich fiel in der im BJN veröffentlichten Studie mit 21 Prozent die Verbesserung der Vasodilatation, der Erweiterungsfähigkeit der Blutgefäße, aus. Sie zeigt die gute Funktion der Gefäßwand und ist verknüpft mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Zudem sank bei den untersuchten Studienteilnehmern der Blutdruck: systolisch um 4,4 mmHG und diastolisch um 3,9 mmHg. Auch die Cholesterinwerte verbesserten sich.

Mögliche Interessenskonflikte

Beide Studien wurden vom sogenannten "Flaviola-Konsortium gefördert. Ein Interessenskonflikt bzw. Publikationsbias kann demnach nicht ausgeschlossen werden. Die Autoren der Studie weisen außerdem darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten, da der Beobachtungszeitraum mit vier Wochen vergleichsweise kurz und auch die Anzahl der Studienteilnehmer relativ klein war. Weitere Studien mit einem längeren Beobachtungszeitrum von fünf Jahren und größerer Teilnehmerzahl (etwa 18.000 Probanden) laufen bereits. (red, 9.9.2015)

  • In zwei Studien wurden die unterschiedlichen Effekte der Flavanole auf Blutgefäße gesunder Probanden und Menschen mit geringem Risiko bzw. ohne Hinweise auf eine kardiovaskuläre Erkrankung untersucht.
    foto: ap/fernando llano

    In zwei Studien wurden die unterschiedlichen Effekte der Flavanole auf Blutgefäße gesunder Probanden und Menschen mit geringem Risiko bzw. ohne Hinweise auf eine kardiovaskuläre Erkrankung untersucht.

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