Hell in der Birne: Lightopia im Hofmobiliendepot

17. September 2015, 14:18
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Die Tage werden merklich kürzer – Es gibt aber viele Gründe mehr, sich die Lichtdesign-Ausstellung "Lightopia" im Wiener Hofmobiliendepot anzuschauen

Der Tag muss der Hammer gewesen sein. Nicht nur für Thomas Alva Edison, der am 21. Oktober 1879 eine Glühlampe länger als 40 Stunden zum Leuchten brachte und damit Gaslampen und Petroleumfunzeln den Garaus machte. Der deutsche Schriftsteller Emil Ludwig schätzte die revolutionäre Erfindung so ein: "Als Edison den Funken von Prometheus in der kleinen gläsernen Birne zu fangen wusste, wurde das Feuer zum zweiten Mal an die Menschheit geschenkt, und wir wurden aus den Ketten der Dunkelheit befreit." Der Mund wäre Edison vor Staunen offen gestanden, wenn er miterlebt hätte, was unzählige Designer nicht nur mit Licht, sondern mit seiner Birne alles angestellt haben, denn längst hat Licht, in welcher Form auch immer, eine ganz besondere Rolle als beinahe magischer "Werkstoff" für Gestalter übernommen.

Entwürfe vom Glühbirnen-Zauberer

Eine Vielzahl von spannenden Entwürfen gibt es ab 16. September in der Ausstellung "Lightopia – Geschichte und Zukunft des Lichtdesigns" im Wiener Hofmobiliendepot zu sehen. Präsentiert werden Klassiker wie die Leuchte "Bulb" vom Glühbirnen-Zauberer Ingo Maurer oder eine pilzförmige Leuchte von Wilhelm Wagenfeld aus den 1920er-Jahren. Fehlen darf natürlich auch nicht die Artischockenleuchte von Poul Henningsen.

Dreht man die Zeitmaschine etwas in die heutige Richtung, gibt's etwa die "85 Lamps for Droog" von Rody Graumans zu bestaunen, eine Art riesiger Blumenstrauß, bestehend aus Glühbirnen, die von der Decke baumeln. Ein schönes Wiedersehen findet auch mit der zauberhaften Installation "Emil & Clara" vom heimischen Gestalterduo mischer'traxler statt. Bei dieser wächst eine Neonröhre aus dem Birnengewinde einer Stehlampe in jenes einer zweiten und wird so zum greifbaren Lichtstrahl. Weitere jüngere Semester, die in der Ausstellung vertreten sind, heißen Olafur Eliasson, Joris Laarman oder Front Design. Alle Exponate und Installationen stammen aus der in Österreich noch nie gezeigten Leuchtensammlung des Vitra Design Museum in Weil am Rhein.

Aufheller

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, die Schau als einen historischen Rückblick auf Leuchtenentwürfe zu bezeichnen, denn ebenfalls geht es bei "Lightopia" um die Frage, wie die Herausforderungen für den gestalterischen Umgang mit Licht in der Zukunft lauten, denn zu der von der EU verfolgten Glühbirne gesellten sich längst modernere Lichtquellen wie zum Beispiel LED oder OLED. Während LEDs stets punktförmiges Licht erzeugen, bilden OLEDs homogene Leuchtflächen und somit weitere, äußerst spannende Möglichkeiten für das Gestalten von und mit Licht. Weiters widmet sich das Ausstellungsprojekt dem Thema Licht nicht nur als Erheller von Stuben, Nachtkasterln und Schreibtischen, sondern geht auch darauf ein, wie sehr Lichtgestaltung unsere Städte, Verkehrswege und Arbeitswelten veränderte. Der Herbst kann also kommen. (Michael Hausenblas, Rondo, 16.9.2015)

"Lightopia – Geschichte und Zukunft des Lichtdesigns"
16. 9. 2015 bis 10. 1. 2016
Hofmobiliendepot – Möbel-Museum Wien
Andreasgasse 7
1070 Wien

Di bis So 10-18 Uhr

  • Auch in der Schau vertreten,  die Leuchte "Atollo" von Vico Magistretti aus dem Jahr 1977.
    foto: sammlung vitra design museum, daniel spehr

    Auch in der Schau vertreten, die Leuchte "Atollo" von Vico Magistretti aus dem Jahr 1977.

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