Streiks bei Lufthansa: Zu spät reagiert

Kommentar8. September 2015, 17:52
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Viel zu spät hat die Lufthansa auf die Veränderungen am Markt reagiert

Die Lufthansa hat derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen: die Folgen des Germanwings-Absturzes, Ärger mit dem Kabinenpersonal und schließlich die Streiks der Piloten. Der jetzige Lufthansa-Chef Carsten Spohr muss nun Probleme lösen, die eigentlich seine Vorgänger zu verantworten haben: Viel zu spät hat die Lufthansa auf die Veränderungen am Markt reagiert, etwa den Erfolg von Billigairlines – und stattdessen weitergemacht wie bisher. Oder die Konkurrenz der staatlichen Golf-Airlines. Sie alle nehmen der Lufthansa Passagiere weg – auch durch den Service, den Emirates und Co bieten.

Dazu kommen die langfristigen Pensionsverpflichtungen für die Piloten, das Kabinenpersonal und das Bodenpersonal, die in wirtschaftlich guten Zeiten vereinbart wurden und kaum noch zu finanzieren sind. Die Lufthansa hat sich zu lange auf ihrem guten Ruf ausgeruht, deshalb sind die Einschnitte jetzt besonders hart.

Anders als die Lufthansa-Piloten bekommen ihre Kollegen beim neuen Billiganbieter Eurowings Europe Zweijahresverträge, haben keinen Kollektivvertrag und verdienen deutlich weniger. Spohr machte deutlich: Entweder werden die Gehälter dem Streckennetz angepasst oder das Streckennetz den Gehältern. Mit Privilegien von gestern kann die Wettbewerbsfähigkeit der größten Airline in Europa nicht gesichert werden. Die Lufthansa hat sehr gute Piloten, aber sie muss sie sich auch leisten können. (Claudia Ruff, 8.9.2015)

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