Lage im Lager Traiskirchen: Human ist anders

Kommentar8. September 2015, 17:48
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Immer noch sind Schutzsuchende ohne Obdach

Das überraschende Lob von EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos für das Flüchtlingslager Traiskirchen wirft, so scheint es, ein milderes Licht als zuletzt auf die Situation in Österreichs Asyl-Hotspot. Zusammen mit den atmosphärischen Verschiebungen infolge der Hilfsbereitschafts-Offensive für durchreisende Flüchtlinge vom vergangenen Wochenende könnte man verleitet sein anzunehmen, dass es um die heimische Asylpolitik im Grunde gar nicht so schlecht bestellt ist.

Doch auch wenn dieser Befund im Vergleich zu Zuständen wie etwa im autoritär und offen flüchtlingsfeindlich regierten Ungarn zutrifft: Für ein den europäischen Werten verpflichtetes und gut verwaltetes Land wie Österreich bleiben die von Flüchtlingshelfern erneut geschilderten Traiskirchener Zustände ein Skandal.

Dass in Traiskirchen immer noch Schutzsuchende ohne Obdach sind, ist – auch wenn es sich um weit weniger Menschen handelt als vor einem Monat – inakzeptabel. Und Amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt ist zuzustimmen, wenn er sagt, dass langfristige Flüchtlingsunterbringung in Zelten im reichen Österreich gegen die Menschenrechte verstößt. Dazu kommt Bürokratismus, der Folge der im August in Kraft getretenen Asylnovelle ist. Wenn mittellose Asylwerber aus der Versorgung geworfen werden und tagelang auf Wiederaufnahme warten, kann von "humanem" Umgang à la Avramopoulos nicht die Rede sein. (Irene Brickner, 8.9.2015)

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