Pottwale erkennen Gruppen anhand ihres Dialekts

8. September 2015, 18:49
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Kultur und Soziales Lernen als Voraussetzung zur Bildung von Gruppen

Halifax/Wien – Die Gemeinschaften von Pottwalen sind hierarchisch strukturiert, vom Aufbau her durchaus analog der menschlichen Gesellschaft: Individuen schließen sich zu Familien, und diese wiederum zu Gruppen zusammen. Jede Gruppe kann akustisch, anhand ihrer Vokalisation durch Klickabfolgen, unterschieden werden. Die Kommunikationsklicks bestehen aus multiplen Pulsen und kommen in bestimmten Rhythmen vor, den sogenannten "Codas". Codas können mit gruppentypischen Dialekten verglichen werden.

Bis heute ist nicht genau geklärt, wie sich diese komplexen sozialen Strukturen der Pottwale entwickelt haben, da die Gruppen nicht physisch voneinander getrennt sind, sondern den gleichen Lebensraum zur gleichen Zeit bewohnen. Wären Gruppen räumlich oder zeitlich voneinander getrennten, kann es auf ganz natürlichem Weg auch zu einer kultureller Trennung kommen: Sobald kein Kontakt mehr zwischen Individuen besteht, weicht auch das soziale Verhaltensrepertoire mit der Zeit voneinander ab, es formen sich Gruppen zwischen denen kein sozialer Austausch mehr stattfindet. Doch wie verhält sich das bei den überlappenden Populationen im Ostpazifik?

Kombinierter Ansatz aus Langzeitbeobachtung und Modellsimulation

Mauricio Cantor und sein Team wenden in der jüngst in Nature Communications erschienenen Studie Modellsimulationen an einem auf 18 Jahren Langzeitbeobachtungen basierendem Datensatz von Pottwalen vor Galapagos an, um zu testen, ob die nebeneinander bestehenden Gruppen durch kulturelle oder genetische Drift von Kommunikationssignalen über die Zeit entstanden sind, oder ob soziales Lernen eine Rolle spielte.

Die Modellsimulationen ergaben dann ähnliche Gruppierungen wie in freier Natur, wenn Wale bevorzugt die am häufigsten vorkommenden "Codas" (Konformismus) von im Verhalten sehr ähnlichen Individuen lernen (Homophilie). Andere Übertragungsarten wie genetische Übertragung oder individuelles Lernen ergaben keine vergleichbaren Ergebnisse.

Soziales Lernen scheint also der Schlüsselprozess in der Aufspaltung von Pottwalen in soziale Strukturen zu sein. Dieses Ergebnis legt nahe, dass ähnliche Prozesse, die der Entstehung menschlicher Kulturen zugrunde liegen, auch bei komplexen Tierarten zu finden sind. (rede, 8.9.2015)

  • Pottwale verwenden unterschiedliche "Dialekte", die sie von ihren Artgenossen lernen.
    foto: ap photo/guam variety news, chris bangs

    Pottwale verwenden unterschiedliche "Dialekte", die sie von ihren Artgenossen lernen.

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