"Super Mario Maker" im Test: Der Baukasten, von dem Spieler schon als Kinder träumten

9. September 2015, 11:02
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Nintendos Editor für "Super Mario"-Levels ist ein Spielplatz, der fast nichts zu wünschen übrig lässt

Seit 30 Jahren läuft und springt und schwimmt und fliegt Mario bereits durch die Videospielwelt. Für viele Generationen ist er damit zum festen Bestandteil von Kinderfantasien geworden. Rückblickend ist diese Zeit mit so viel Nostalgie verflochten, dass man sich fragt, weshalb man nie selbst ein "Super Mario"-Level gebaut hat. Nun, der Grund dafür ist, dass Nintendo seinen Spielern erstaunlicherweise bis heute zumindest keine offizielle Möglichkeit dazu gegeben hat.

Diesen Durst nach kreativer Entfaltung und nach der lange verspäteten Erfüllung eines Kinderwunsches stillt der dieser Tage für Wii U erscheinende "Super Mario Maker". Ein genial einfaches Bedienkonzept und die Freiheit, die bisherigen Grenzen der Serie mit seinen eigenen Ideen zu überschreiten, machen es zu dem Level-Editor, den sich die Fans verdient haben.

Watscheneinfach und hochkomplex

Für einen über so viele Jahre innovationstreibenden Hersteller ist es bemerkenswert, dass Nintendo die Pionierleistungen im Bereich der nutzergenerierten Inhalte anderen klugen Köpfen überließ. Die Szene ist von Modifizierungen (Mods) bis zu den konsumentenfreundlichen Editoren moderner Spiele wie "LittleBigPlanet" oder "Minecraft" tatsächlich weit gekommen. "Super Mario Maker" erfindet in diesem Hinblick kein Rad neu und verspricht auch keine Wunderwerke, die bisher nicht realisierbar waren. Anstelle dessen tut es das, was es kann, extrem gut.

Mit dem Stylus wählt man Bausteine aus und zeichnet klassisch von links nach rechts den Untergrund eines Levels auf dem Tablet-Controller. Mit dem Radierer unterbricht man den Lauf durch Schluchten, und mit weiteren Werkzeugen setzt man Münzen, Gegner und ein Ziel in die Welt. Per Knopfdruck wechselt man in den Spielmodus und kann sofort ausprobieren, ob die Eigenkreation funktioniert, wo man Abstände vergrößern oder verkleinern sollte und wo es zusätzlicher Hürden oder Hilfen bedarf. Mit einem weiteren Tastendruck ist man wieder zurück im Editor.

Mario-Gott spielen

Jede Anpassung und Änderung geschieht in Echtzeit. So kann man auch jederzeit zwischen unterschiedlichen Grafikstilen von den Anfängen bis zu modernen Iterationen der Serie wechseln, ohne eine Berechnungszeit in Kauf nehmen zu müssen. Verschiedene Themen legen die Kulisse fest und bedingen so etwa, ob man sich über den Wolken befindet oder unter Wasser.

Alle Funktionen und Herausforderungen, die man von vorangegangenen zweidimensionalen "Super Mario"-Spielen kennt, können für die eigenen Levels eingesetzt werden. Von Springfedern bis zu Lavaspuckern und von Röhrengängen bis zu Kettenhunden findet man sämtliche Utensilien in der Werkzeugauswahl. Und mehr noch: Sounds können eingespielt werden, und per Drag & Drop lassen sich selbst Objekte miteinander kombinieren, die es in dieser Form zuvor noch nie gegeben hat. Eine Raketen schießende Flugschildkröte war sowieso schon längst überfällig.

Ein Meer an Herausforderungen

Wer Inspiration benötigt, findet diese in dutzenden professionell designten und beigelegten Levels oder geht am besten online. Denn diese fast grenzenlosen Optionen der digitalen Bastelstube münden in ein Meer an simplen bis überaus komplexen User-Levels, die man im Netz miteinander teilen kann. Schon jetzt sammeln sich unzählige erstaunliche und ebenso erstaunlich schwere Herausforderungen anderer Spieler auf den Servern, die es zu meistern gilt, aber ebenso als Vorlage für weitere eigene Welten dienen.

Nintendo hat gute Wege gefunden, wie sich diese Fülle an Levels filtern und durchsuchen und auf unterhaltsame und anspornende Art erkunden lässt. So gibt es Challenges, die einem bei 100 Leben die schwersten oder beliebtesten User-Kreationen vorsetzen und das Wettbewerbsgefühl zwischen den Spielern steigern. Clever: Eigene Levels können erst dann hochgeladen und anderen zur Verfügung gestellt werden, wenn man diese zumindest einmal selbst erfolgreich durchgespielt hat. So wird verhindert, dass technisch unschaffbare Werke die florierende Community verderben.

Nachbesserungsbedarf

Ganz frei von Stolpersteinen ist der virtuelle Sandkasten nicht. Beispielsweise hat Nintendo einen Mechanismus eingebaut, der über einige Tage die sukzessive Freischaltung der Werkzeuge reguliert, damit man anfangs ob der Fülle an Funktionen nicht überfordert ist. Für Menschen, die Editoren bereits gewohnt sind, kann es jedoch frustrierend sein, auf die Verfügbarkeit eines Tools warten zu müssen. In diesem Fall hilft nur, die Systemzeit der Wii U nach vorn zu stellen. Um Anfängern wirklich zu helfen, wäre es wohl auch besser gewesen, die Freischaltung nicht von Zeit, sondern dem vorangegangenen Einsatz von Werkzeugen abhängig zu machen.

Ebenso Nachholbedarf gibt es bei der Online-Verwaltung von Levels. So fehlt derzeit noch die Option, seine Kreationen Freunden direkt schicken zu können. Schade ist überdies, dass es bislang nicht erlaubt ist, einzelne Levels zu einer ganzen, mehrstufigen Welt zu bündeln. Zumindest ist mir im Test keine Option dazu untergekommen.

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Wir spielen "Super Mario Maker" – die Level der User

Fazit

"Super Mario Maker" geht an die Schaffung eines Levels mit der gleichen Zugänglichkeit und Inspiration heran, die schon die Spiele so populär gemacht haben. Das ist gewiss kein Alleskönner, doch ein aufs Wesentliche fokussierter Baukasten, wie man ihn sich als langjähriger Fan nur wünschen konnte. Ein bodenloser Kübel voller Legosteine, der kreative Geister weckt und weniger ambitionierte Spieler laufend mit abertausenden neuen Herausforderungen versorgen wird. Sprungtüchtigen Installateuren stehen exzellente Zeiten bevor. (Zsolt Wilhelm, 9.9.2015)

"Super Mario Maker" ist für Wii U und 3DS erschienen. UVP: 49 Euro

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